Auszeit vom Alltag

Wasser und Berge, was will man mehr: Abendstimmung über Lake Tahoe

Wasser und Berge, was will man mehr: Abendstimmung über Lake Tahoe

Irgendwann, mit zunehmendem Alter, verfliegt die Vorfreude auf den anstehenden Geburtstag. Stattdessen wünscht man sich ganz weit weg. Und so beschließen Chris und ich, anstatt zu feiern, uns für ein paar Tage auszuklinken. Wir ziehen einige spannende Reiseziele in den USA in Erwägung, entscheiden uns letztlich allerdings für Lake Tahoe im eigenen Staat. Zum einen können wir dorthin bequem mit dem Auto fahren und Cyrus mitnehmen, zum anderen laden mehr als einhundert Wanderwege zur Erkundung der malerischen Berglandschaft ein. Den Ausschlag gibt letzten Endes der Newsletter von Secret Escapes, in dem mir das Coachman Hotel, eine stylische und hundefreundliche Unterkunft, zu einem sensationell günstigen Preis angeboten wird. Wer da nicht zugreift, der will nicht sparen.

Geduld ist eine Tugend

An meinem Geburtstag geht es los, strategisch geplant gleich nach dem Berufsverkehr. Cy verstaut, die Teddybears laut aufgedreht, rauf auf den Highway …und rein in den Stau. Es ist zum Mäusemelken! Irgendetwas ist immer. Wir quälen uns über die Bay Bridge, vorbei an Richmond, Vallejo und Sacramento. Ich schalte von den Teddybears um auf Relaxing Piano Music, um nicht ins Lenkrad zu beißen, und frage mich, warum selbst zu dieser Tageszeit so unglaublich viele Menschen auf der Straße unterwegs sind. Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben. Hinter Sacramento lichtet sich der Verkehr, und die verbleibenden 150 Kilometer bis zu unserem Ziel kommen wir zügig voran.

Als wir nach über fünf Stunden Fahrt schließlich in South Lake Tahoe einrollen und im Hotel einchecken, ist der Ärger längst verflogen, und eine kurze Abendwanderung lässt die Zeit im Auto schnell vergessen. Wir genießen einen stimmungsvollen Sonnenuntergang über dem gigantischen Gebirgssee und den eindrucksvollen, schneegekrönten Kämmen der Sierra Nevada und verpassen dabei fast unser Dinner, da die meisten Lokale bereits um 21 Uhr die Stühle hochstellen. Wir sind halt in der Zwischensaison.

Über Stock und Stein

Die Zeit Anfang Mai birgt das Risiko, dass längst nicht alle Wanderrouten offen sind. Immerhin bewegen wir uns in Tahoe auf einer Höhe von rund 2000 Metern. Viele Gipfel liegen über der 3000er-Marke, und einige Höhenwanderwege sind bis in den Juli unpassierbar, wie wir im letzten Jahr selbst erleben durften (siehe Blogeintrag Mount Rainier).

Und in der Tat werden wir bereits am ersten Tag ausgebremst, als wir von der Emerald Bay aus in die Desolation Wilderness aufbrechen. Nachdem wir rund 90 Minuten aufgestiegen sind, ist der Schnee so tief, dass unser Pfad nicht einmal mehr ansatzweise zu erahnen ist. Es ist, wie es ist, und wir treten den Rückzug an.

Die restlichen Tage sind wir erfolgreicher. Zwar müssen wir auf sämtlichen Wanderungen Schneefelder passieren, doch es ist stets klar zu erkennen, wo der Weg entlangführt. Wir erkunden die Gegend um den größten Gebirgssee Nordamerikas von allen Himmelsrichtungen und sind uns einig, dass sich einem die imposantere Sicht auf Lake Tahoe und die Sierra von der Seite Nevadas aus bietet.

Cy ist unermüdlich mit von der Partie. Wanderungen von 15 und sogar 20 Kilometern bewältigt er problemlos. In bester Tim-und-Struppi-Manier hüpft er begeistert über Stock und Stein; Felsen und Schnee stellen für den kleinen Abenteurer keine Hindernisse dar. Im Gegenteil, er scheint großen Spaß daran zu finden, gerade die etwas kniffligeren Wegpartien zu meistern. Dass es zur Belohnung zahlreiche Leckerlis gibt, scheint dabei eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen.

Zwei Absätze Dankbarkeit

Es ist herzerwärmend zu sehen, wie ausgelassen und happy der kleine Schnoodle ist, wenn man weiß, dass wir ihn vor ein paar Monaten fast verloren hätten: Ein nicht diagnostizierter Zwerchfellriss hat dazu geführt, dass er Ende Januar fast einen grausamen Erstickungstot gestorben wäre. Nur eine aufwendige Notoperation hat ihn in letzter Minute gerettet. Wenn man Cy heute erlebt, ist davon allerdings nichts zu merken, außer vielleicht, dass er nun noch lebhafter und lebensfreudiger ist, als er zuvor schon war.

Die Abende verbringen wir entspannt an der Feuerschale des Hotels, trinken Bier und Wein, rösten Marshmallows für S’Mores und tauschen Geschichten mit anderen Gästen aus. Zahlreiche Urlauber kommen – wie könnte es anders sein – aus Deutschland. Ihre Begeisterung für Kalifornien ist ansteckend, und uns wird wieder einmal ins Bewusstsein gerufen, wie privilegiert wir sind, in diesem großartigen und vielfältigen Fleckchen Erde leben zu dürfen. Leider vergisst man das allzu schnell, sobald der Alltag wieder einsetzt.

Fotowand

  One thought on “Auszeit vom Alltag

  1. Nicole Cevey's avatar
    Nicole Cevey
    4. June 2018 at 00:38

    Wunderbare Natur und großartige Fotos. Denke oft an Euch, dicke Umarmung! 🙂

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