
Atemberaubende Natur: Die Grand Prismatic Spring ist eine der zahllosen Sehenswürdigkeiten im Yellowstone-Park
So etwas haben wir noch nicht gesehen. Überall zischt und brodelt es. Kochend heißes Wasser schießt in Fontänen viele Meter hoch in die Luft. Rundumher quillt Dampf aus der Erde. Es riecht nach Schwefel. Es kommt uns vor, als wären wir im Versuchslabor der Natur gelandet.
Das Versuchslabor heißt Yellowstone-Nationalpark und liegt in Wyoming, einem Bundesstaat im Norden der USA. Seit langem schon steht der Park ganz oben auf unserer Liste spannender Reiseziele; jetzt sind wir hier. Und wir sind fasziniert von der atemberaubenden Vielfalt, die der Park zu bieten hat.
Amerikas Serengeti
Bereits 1872, vor fast 150 Jahren, wurde Yellowstone zum ersten Nationalpark der Vereinigten Staaten ernannt. Schon damals war es der Regierung wichtig, die einmalige Landschaft unter Naturschutz zu stellen. Doch der Schutzstatus hat nicht verhindern können, dass in den Folgejahren Bären, Wölfe und Kojoten aber auch die Bisons von Ranchern, Jägern und Pelzhändlern mit dem Argument, dass sie eine Bedrohung für den Viehbestand und die Siedler darstellten, so gut wie ausgerottet wurden. Erst seit den 1920-er Jahren, mit Aufkommen des Massentourismus, kam es zu einem gravierendem Umdenken. Seither gibt es zahlreiche Programme zur Bestandspflege und zur Wiederansiedlung von Bären und Wölfen. Mit sichtbarem Erfolg: Das üppige Lamar Valley im Nordosten des Parks wird aufgrund der hohen Dichte an Großtieren auch als “Amerikas Serengeti” bezeichnet.
So spannend es auch wäre, einen Grizzlybären zu entdecken, ein Zusammentreffen ist alles andere als ungefährlich. Der Film The Revenant (Video) macht deutlich, was eine Grizzly-Attacke mit einem anstellen kann. Darauf möchten wir gern verzichten. Wanderern im Park wird daher geraten, nicht nur bear bells, Glöckchen, die beim Laufen schellen, zu tragen, sondern auch den Umgang mit bear spray, hochdosiertem Pfefferspray, zu üben und pro Person eine Dose mitzuführen. Und genau das machen wir auch. Gut ausgestattet unternehmen wir einige Tageswanderungen abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Bären oder Wölfen begegnen wir dabei allerdings nicht.
Farben und Formen
Yellowstone ist mit mehr als vier Millionen Touristen im Jahr einer der meistbesuchten Nationalparks der USA. Da es nur eine begrenzte Anzahl an Unterkünften im Park gibt, und diese nur zwischen Mitte Mai und Anfang Oktober geöffnet haben, sind sie in der Regel schon für das jeweils kommende Jahr komplett ausgebucht. Nur mit Glück ergattern wir ein Zimmer in der zentral gelegenen Canyon Lodge. Der grandiose Grand Canyon of the Yellowstone befindet sich quasi um die Ecke, und auch zu den meisten anderen Attraktionen im Park haben wir einen wertvollen Zeitvorsprung vor den Tagestouristen. Jedenfalls wenn man einigermaßen früh aus den Federn kommt.
Von hier aus lässt sich der Park gut erkunden. Wie eine Acht führt die gut 230 Kilometer lange Straße durch den Park; vorbei an den schon fast gleichmäßig verteilten Sehenswürdigkeiten. Die Vielfalt ist einmalig: Im Nordwesten faszinieren die Mammoth Terraces, Thermalquellen und Kalkterrassen. Weiter südlich schlagen einen die knallbunte, fast schon außerweltliche Thermalquelle Grand Prismatic Spring sowie die weite Geysirlandschaft um den Old Faithful, der sein kochendes Wasser fast 60 Meter hoch in die Luft schießt, in den Bann. Im Osten dann der Grand Canyon of the Yellowstone und der riesige Yellowstone Lake, der größte Bergsee Nordamerikas. Nein, an Abwechslung mangelt es uns gewiss nicht; dafür aber an Zeit, die artenreiche Tierwelt und sämtliche Ecken und Winkel des Parks in Ruhe zu erkunden.
Ein Trost bleibt: Es geht noch nicht zurück nach Hause. Nachdem wir vier Tage in Yellowstone verbracht haben, fahren wir für drei weitere Tage in den angrenzenden Grand-Teton-Nationalpark. Nach dem Park ist vor dem Park.
Fotowand
Filmtipp für die Sofareise
- The Revenant
Die amerikanische Frontier in den 1820er-Jahren. Ein schwer verwundeter Pelzjäger wird von Mitgliedern seiner Expedition dem Tod überlassen. Von Rache getrieben, schlägt er sich durch die winterliche und unbarmherzigen Natur Nordamerikas. Bildgewaltig, intensiv, roh. Oscar für Leonardo DiCaprio