Point Reyes

Wildes Wild: frei lebende Wapitis im Norden der Halbinsel von Point Reyes

Wildes Wild: frei lebende Wapitis im Norden der Halbinsel von Point Reyes

Wir leben seit knapp neun Jahren in der Bay Area und haben die Gegend weitgehend erkundet. In den Point Reyes National Seashore Park haben wir es bisher allerdings nicht geschafft. Das Naturschutzgebiet liegt rund eine Autostunde nördlich von San Francisco und ist ein Paradies für Wanderer und Naturfreunde. Passt genau, habe ich mir gedacht, und meiner Süßen zu Weihnachten ein Wochenende in Point Reyes geschenkt. Jetzt lösen wir das Geschenk ein.

Wir finden eine gemütliche Hütte in der Nähe von Point Reyes Station, dem mit knapp 900 Einwohnern größten Ort der Gegend. Wie sich herausstellt ist unser Vermieter ein Landsmann aus Deutschland, und seine Unterkunft inmitten ruhiger Natur erinnert uns stark an ein Ferienhaus an der Küste Dänemarks. Wahrscheinlich liegt es an der Ikea-Austattung und dem Kaminofen. Die deutsche Gründlichkeit lässt keine Ausstattungswünsche offen, selbst eine Dartscheibe lädt zum Spielen ein. Wir fühlen uns sogleich pudelwohl.

Ich bin erstaunt, wie viele Wanderrouten und versteckte Strände es in Point Reyes gibt, und wir haben die Qual der Wahl. Am ersten Tag entscheiden wir uns für einen abwechslungsreichen 21 Kilometer langen Rundweg, der uns zunächst zum Pazifik führt, dann entlang der Küste und schließlich bergan über den Mount Wittenberg, den höchsten Punkt des Schutzgebiets, zurück zu unserem Ausgangspunkt. Das Wetter spielt auch mit, es ist windstill und sonnig bei milden 14 Grad. Was will man mehr?

Leider verschätzen wir uns mit der Zeit. Als die Dämmerung fällt sind wir noch gut drei Kilometer von unserem Ziel entfernt. Blöd, dass wir keine Stirnlampen eingepackt haben. Der junge Mond spendet kaum Licht, und so stolpern wir im Dunkeln den Pfad bergab. Erinnerungen an The Blair Witch Project (Video) werden wach, was auch nicht gerade stimmungsfördernd ist. Unsere iPhone-Taschenlampen helfen ein wenig, und wir schaffen es bis zum Hauptweg, ehe die Akkus den Geist aufgeben.

Den nächsten Tag unternehmen wir eine Wanderung zum Tomales Point, der nördlichen Spitze der Halbinsel. Im Gegensatz zum Vortag führt der Weg meist geradeaus durch eine karg bewachsene Felslandschaft. Das Besondere hier sind die frei lebenden Wapiti-Herden, die von uns Wanderern unbeeindruckt links und rechts des Pfads äsen. Lediglich als ein Kojote auftaucht, gehen die Köpfe hoch, und ein wenig Unruhe bereitet sich aus. Doch der Präriewolf schlägt eine entgegengesetzte Richtung ein und verschwindet hinter den Felsen.

Nach rund eineinhalb Stunden erreichen wir den Tomales Point. Mittlerweile hat sich der Himmel zugezogen, und das Wetter wird ungemütlich. Es kommt, wie es kommen muss: Gerade als wir uns anschicken, den Rückweg anzutreten, fängt es an zu regnen. Und so waten wir stoisch, mit zugezogener Kapuze die siebeneinhalb Kilometer zurück zum Wagen. Netterweise hat unser Vermieter uns sein Ferienhaus bis zum späten Abend überlassen, so dass wir uns aufwärmen und umziehen können, ehe wir den Rückweg nach Hause antreten.

Fotowand

Filmtipp für die Sofareise

  • The Fog – Nebel des Grauens (1980)
    100 Jahre nachdem ein Schiff vor der Küste auf Grund gelenkt wurde, kehren die toten Seeleute in einer dichten Nebelwand zurück, um sich an den Nachkommen der Schuldigen zu rächen. Spannender Gruselfilm von John Carpenter, der den Landstrich von Point Reyes stimmungsvoll in Szene setzt.

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