Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich kein ausgewiesener Hundemensch bin. Das heißt nicht, dass ich Hunde an sich doof finde. Ich habe nichts gegen Hunde, sofern sie stubenrein sind, nicht an mir hochspringen und nicht durch dauerhaftes Bellen nerven. Hunde zu Besuch sind okay, aber haben muss ich keinen.
Meine Süße sieht das anders. Schon seit einiger Zeit spielt sie mit dem Gedanken, sich einen Hund anzuschaffen. Als ich dann eine Textnachricht von ihr erhalte, dass sie den perfekten Hund für uns gefunden und reserviert hätte, bin ich daher alles andere als begeistert.
Am nächsten Tag sehen wir uns den kleinen Kerl im Tierheim an. Was da schwanzwedelnd vor uns steht ist ein bisschen Pudel, ein bisschen Terrier und wer weiß, was sonst noch. Etwa drei Jahre alt soll er sein, aufgelesen in den Straßen Mexikos. Viel mehr kann uns die Tierheimleiterin nicht sagen. Muss sie auch nicht, denn Chris hat den Kleinen ohnehin sogleich ins Herz geschlossen.
Nach einer heftigen Diskussion stimme ich zu, den Mischling auf Probe zu adoptieren. Wenn es nach einer Eingewöhnungszeit von sechs Wochen keine Probleme mit den Katzen gibt und er nicht durch ständiges Bellen nervt, bin ich einverstanden, ihn als neuen Mitbewohner aufzunehmen.
Zunächst einmal braucht der Neue allerdings einen Namen. Wir entscheiden uns für Cyrus, kurz Cy, in Anlehnung an den Künstler Cy Twombly, der eine der wichtigsten Inspirationen für Chris’ Arbeit darstellt.
Die kommenden Tage unterziehen wir Cy einem Stresstest: zehn Kilometer an der Leine spazieren gehen – kein Problem! Längere Autofahrten in der Hundebox – no problem! Ab ins urbane Getümmel – null problemo! Kein großes Gebelle, kein Ans-Bein-Gespringe, und stubenrein ist er auch. Wir vermuten, dass Cy einen Vorbesitzer gehabt haben muss, der ihm eine Grunderziehung gegeben hat. Doch warum ist er dann auf der Straße gelandet? Oder aber, der Kleine hat eine gute Auffassungsgabe und lernt schnell. Wie auch immer, es sieht ganz so aus, dass Chris mit der Auswahl von Cy ein glückliches Händchen bewiesen hat.
Auch die Herren Randy und Maurice haben sich schnell an den Neuen gewohnt, der ja ganz süß aussieht, aber irgendwie komisch riecht und sich tapsig bewegt. Während Randy zwar neugierig ist, aber noch immer einen Sicherheitsabstand einhält, erdreistet sich Maurice inzwischen, dem armen Cyrus im Vorbeigehen aus Spaß gegen den wedelnden Schwanz zu hauen. Sieht so aus, dass sich die Drei arrangieren.
Und ich? Ich gebe zu, dass ich den Kleinen lange vor Ende der Probezeit ins Herz geschlossen und als vollwertiges Mitglied unserer Patchworkfamilie akzeptiert habe. Willkommen bei den Woelks, Cy!
