Going the Distance

Gonna Fly Now: Chris allein auf weiter Flur

Gonna Fly Now: Chris allein auf weiter Flur

Chris sucht eine neue sportliche Herausforderung. Eines Tages im August überrascht sie mich daher mit der Ansage, dass sie uns für den OktobeRun, dem Redwood-City-Halbmarathon, angemeldet hat. Einen Trainingsplan für die kommenden drei Monate hat sie auch schon am Kühlschrank hängen. Okay, bin ich halt mit von der Partie.

MarschlandDiszipliniert arbeitet sie die Trainingseinheiten ab: An den Wochentagen läuft sie Distanzen zwischen fünf und zehn Kilometern. Am Wochenende laufen wir dann zusammen die Langstrecke. Selbst im Urlaub in Neuengland schiebt meine Süße schnell einen 16-Kilometer-Lauf ein. Das nenne ich engagiert!

Am 29. Oktober ist der große Tag. Um 6 Uhr schälen wir uns aus dem Bett. Schnell einen Tee und ein paar Kalorien zugefüttert, dann ab nach Redwood City. Der Himmel ist wolkenverhangen, und wir hoffen, dass sich der angekündigte Regen zurückhält, bis wir im Ziel angekommen sind.

Zum sechsten Mal richtet die Stadt in der Mitte der Peninsula den Halbmarathon aus, doch das Teilnehmerfeld ist überschaubar; nur rund 1500 Läufer nehmen an der Veranstaltung teil. Vielleicht liegt es daran, dass die Strecke kein Rundkurs ist, sondern es hin und zurück geht. Vielleicht gibt es aber auch einfach zu viele Laufveranstaltungen rund um die San Francisco Bay Area.

Über den HighwayDer Vorteil: Es gibt zu Beginn kein Gedränge, und jeder kann sein Tempo laufen. Ich peile für uns eine Zeit unter zwei Stunden an, doch Chris boxt mich auf den Arm und betont, dass es ihr in erster Linie darum gehe, die Distanz zu schaffen. Das sei ihr Ziel. Die Zeit sei zweitrangig. Wie bei Rocky, verstanden?

Die Strecke führt uns kurz durch die Stadt, dann über den Highway, vorbei an der Marina von Redwood City, dem Flugfeld von San Carlos und auf einem Feldweg entlang eines Seitenarms der Bucht. Das Wetter hält sich bei 18 Grad Celsius, und wir laufen ein gutes Tempo. Zehn Kilometer, fünfzehn Kilometer, kein Problem. Doch dann klagt Chris über Magenkrämpfe und Seitenstiche.

Bei Kilometer 18 erfolgt der Einbruch. Für einen Moment sieht es so aus, dass Chris sich übergeben und aufgeben muss. Keine zwei Meilen vor dem Ziel… Wir verlangsamen unseren Schritt deutlich, und ich versuche, meine Liebste mit Rocky-Weisheiten dazu zu motivieren, langsam, aber kontinuierlich weiterzulaufen: “Going that one more round when you don’t think you can – that’s what makes all the difference in your life.”

ZieleinlaufGeschafft!Meine Klugscheißerei ärgert sie immens, scheint aber auch verborgene Energie freizusetzen. Chris reißt sich zusammen und trabt hartnäckig die letzten drei Kilometer bis ins Ziel. Erschöpft und zugleich erleichtert fallen wir uns in die Arme. Ich freue mich und bin stolz darauf, dass meine Süße die 21,1 Kilometer durchgehalten hat, und ich flüstere ihr ins Ohr: “It’s about how much you can take and keep moving forward. That’s how winning is done!” Dann fange ich mir eine.

  One thought on “Going the Distance

  1. Andreas's avatar
    A.
    25. November 2016 at 15:31

    Danke, danke. Rocky habe ich stets parat 😉

  2. Bob's avatar
    Bob
    25. November 2016 at 15:22

    Hallo ihr beiden, wir sind beeindruckt ☺
    Hast du dir die richtigen Filmzitate schon vorher rausgesucht oder ganz spontan aus deinem breiten Filmwissen abgerufen?
    Well done!

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