Irgendwann ist Schluss mit lustig. Da wähle ich extra einen frühen Flug von San Francisco nach Seattle, um die Stadt noch ein wenig zu erkunden, bevor es am nächsten Tag losgeht mit der Future-Stores-Konferenz. Und dann das: Kaum am Gate angekommen, heißt es, dass der Flug aufgrund technischer Wartungsarbeiten eine Stunde Verspätung habe. Na gut, denke ich, das geht ja noch. Hole ich mir halt erst mal einen Kaffee.
Dabei hätten mich die Worte “technische Wartungsarbeiten” sogleich hellhörig werden lassen: Technische Wartungsarbeiten dauern nämlich in der Regel immer länger als veranschlagt. Und genau so ist es dann auch. Aus einer Stunde werden erst zwei Stunden, dann drei Stunden. Erst jetzt schrillen bei mir die Alarmglocken. Wenn das gemäß der Fibonacci-Folge so weitergeht, höre ich als nächstes fünf Stunden, dann sind es acht Stunden und so weiter.
Als ich mich am Delta-Air-Lines-Schalter bei einer der geduldigen Mitarbeiterinnen – Janet, wie ihr Namensschild verrät – erkundige, wie denn ihre Einschätzung der Lage sei, schlägt sie sogleich vor, mich zusätzlich auf die nächsten beiden Maschinen zu buchen. So würden wir sicherstellen, dass ich schnellstmöglich nach Seattle käme, okay? Ja, okay. Janet hackt in ihre Tastatur, und wenig später halte ich zwei weitere Bordkarten in der Hand. Ich bin zwar nur auf Stand-by, doch es besteht immerhin die Chance, mitgenommen zu werden. Eins noch: Leider müsse sie mir mitteilen, dass inzwischen alle Maschinen Richtung Seattle Verspätung hätten. Sorry. Janet zuckt mit den Schulter, und ihr freundliches Lächeln wirkt mit einem Mal ein wenig aufgesetzt.
Mittlerweile sind vier Stunden ins Land gegangen, und nach zwei Kaffees bin ich bei meinem ersten Glas Wein gelandet. Ich beantworte E-Mails, lese das Konferenzprogramm, schaue auf die Anzeigetafel (5 1/2 Stunden Verspätung), telefoniere mit meiner Süßen, bestelle ein zweites Glas Wein, lese Online-Nachrichten, erledige noch ein paar E-Mails, schaue wieder auf die Anzeigetafel (7 Stunden Verspätung), döse vor mich hin und verpasse fast den Aufruf zum Boarding meines ersten Ersatzfliegers. Schnell zum Gate!
Auf dem Monitor sehe ich meinen Namen: Platz 21 auf der Wartelist. Super. Das wird wohl nichts. Im Stillen winke ich bereits ab, doch dann geht alles ganz schnell: Ich rutsche auf Platz 15, dann Platz 10, 8, 4. Und dann bin ich runter von der Warteliste: Woelk – Confirmed. Ich gebe mir ein virtuelles High-Five, greife meinen Kabinenkoffer und eile zum Schalter. Dann die nächste Überraschung: Ich bekomme einen Platz in der Businessclass zugewiesen. Entspannt lehne ich mich zurück, setze meine altgedienten Bose-Kopfhörer auf, entscheide mich für Daft Punk (Video) und schließe die Augen. Nach mehr als sieben Stunden Wartezeit sitze ich endlich im Flieger. Flugzeit: 1 Stunde 55 Minuten.
