Kids in America

Gipfelstürmer: Eine Kalifornienreise ohne Besuch des Yosemite-Nationalparks geht gar nicht

Gipfelstürmer: Eine Kalifornienreise ohne Besuch des Yosemite-Nationalparks geht gar nicht

Endlich haben es Christinas Bruder Torsten, seine Frau Kathi und ihre Kinder Lennart und Jonna nach Kalifornien geschafft. Chris und ich freuen uns riesig über den längst überfälligen Besuch und die gemeinsame Zeit. Für die kommenden drei Wochen haben wir ein abwechslungsreiches und kinderfreundliches Programm zusammengestellt, das neben der Erkundung des Yosemite-Nationalparks und Monterey Bay Aquariums auch Raum lässt für einen Spielplatzbesuch in der Nachbarschaft.

Kamera frei

Bevor das große Sightseeing losgeht, starten wir ein kleines Experiment: Sicher, Torsten und Kathi werden die typischen Sehenswürdigkeiten in Bildern festhalten; die Golden Gate Bridge etwa oder die Redwoods im Yosemite-Park. Doch wie wird eine Kalifornienreise wahrgenommen durch die Augen eines Sechsjährigen? Wir kaufen Lennart seine eigene Digitalkamera und lassen ihn frei gewähren.

Paparazzo: Lennart knipst alles, was nicht bei drei auf den Bäumen istBegeistert knippst er los: die aufgepimpten Ford Mustangs am Embarcadero, die Ninjaschwerter und falschen Diamanten in Chinatown, die Entourage, und natürlich wird auch Stoffhund Goldie auf Dutzenden Bildern festgehalten. Und das ist dann auch die Schattenseite unseres Experiments: Da Lennart so ziemlich alles fotografiert, was ihm vor die Linse kommt, verlangsamt sich unser Schritttempo merklich.

Am Ende des ersten Tages hat er eindrucksvolle 342 Bilder geschossen. Als wir durch seine Fotos blättern, sind wir erstaunt, wie gut zahlreiche Aufnahmen doch geworden sind. Wir überlegen: Wenn Lennart seine tägliche Ausbeute die verbleibenden Zeit beibehält, fliegt er mit über 6.000 Bildern nach Hause. Begeistert verkündet er, alle Bilder im Kindergarten zeigen zu wollen. Klingt nach einem sehr langen Diaabend.

Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

Das Universum und du

Ich kann Lennart gut verstehen. Ob nun die Straßen von San Francisco, die Seeelefanten im Año Nuevo State Park, die Seelen der Verstorbenen im Winchester Mystery House, der Albino-Alligator in der California Academy of Sciences oder einfach nur ein goldener Pickup Truck – es gibt hier wahrlich keinen Mangel an Fotomotiven.

Und dann ist da natürlich noch Yosemite, ein Füllhorn an Eindrücken für jede Generation. Wir mieten uns für ein paar Nächte eine rustikale Blockhütte im Süden des Nationalparks. Nach gut vier Stunden Fahrt kommen wir dort an und unternehmen auch gleich einen kurzen Spaziergang zum Fuß der imposanten Chilnualna Falls. Danach hängen wir auf unserer Terrasse ab, genießen die Abendsonne und ein kühles Pils und schmeißen den Grill an.

Abkühlung garantiert: Yosemite FallsWährend am nächsten Tag Familie Ehlers das Yosemite Valley erkundet, machen Chris und ich uns an den Aufstieg zum Gipfel der Chilnualna Falls. Der Aufstieg dauert rund drei Stunden und hat durchaus seine fordernden Momente. Doch wie fast immer ist auch dieses Mal der grandiose Ausblick die Strapazen wert. Bergab geht es um einiges schneller. Als wir schließlich an unserer Hütte ankommen, merke ich jedoch, dass meine Waden und Oberschenkel lange Zeit nicht derart beansprucht wurden. Nur gut, dass wir unser Menthol-Gel dabei haben.

Lennart und Jonna sind ganz aufgeregt, denn wir haben ihnen versprochen, gemeinsam den sternenklaren Himmel zu erkunden. Sie bereiten schon mal das Nachtlager vor, indem sie sämtliche Liegen mitten auf die Wiese hinter der Hütte stellen. Gegen 22 Uhr liegen wir dann auf dem Rücken und schauen in den Weltraum mit seinen Myriaden von Sternen. Als dann auch noch eine Sternschnuppe durchs Firmament schießt und alle einen stillen Wunsch formulieren, ist alles perfekt.

Oben sein und runter gucken

Schneeballschlacht auf 2.477 Metern HöheAm nächsten Tag geht es zum Glacier Point, und wir genießen die atemberaubende Sicht auf das Yosemite Valley. Danach unternehmen wir eine Wanderung auf den Sentinel Dome, von dem aus man einen uneingeschränkten Rundumblick auf den Nationalpark hat. Ein Höhepunkt im wahrsten Sinn: Der Aufstieg erfolgt durch ein Schnee- und Geröllfeld. Ich bin stolz, wie gut die Kinder den Weg bis zum Gipfel schaffen und muss sehr schmunzeln, als ein alpin ausgestattetes Wanderer-Ehepaar mit untergeschnallten Grödeln schnaufend am Gipfel ankommt und dort von einer gut gelaunten Vierjährigen begrüßt wird.

Den letzten Tag statten wir den imposanten Mammutbäumen im Merced Grove einen Besuch ab, bevor es dann leider auch schon wieder zurückgeht in die Bay Area.

Und dann ist die gemeinsame Zeit auch schon fast wieder zu Ende: Ein letztes Mal Power-Shopping bei Gap, Abercrombie & Fitch, Build-A-Bear und Kohl’s, ein letztes Mal Five-Guys-Hamburger, dann stehen Torsten, Kathi, Lennart und Jonna mit rappelvollen Koffern zum Abflug bereit. Die eine oder andere Träne wird verdrückt, bevor die Vier schließlich winkend hinter der Sicherheitskontrolle verschwinden.

Fotowand

  One thought on “Kids in America

  1. Bob's avatar
    Bob
    4. August 2016 at 00:42

    Ich bekomme schon wieder Fernweh, nächstes Mal bleiben wir länger im Yosemite.

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