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Gangsta-Pose: Tj vor seinem Laden in Downtown Atlanta

Gangsta-Pose: Tj vor seinem Laden in Downtown Atlanta

Kurzer Nachklapp zu meinem Bericht aus Atlanta: Ich fotografiere irgendwo in den Seitenstraßen der Innenstadt. Ein antikes Schild, das für einen ehemaligen Pfeifenladen wirbt, hat es mir besonders angetan.

Mit einem Mal bin ich umringt von einer Handvoll finster dreinblickender Jungs. Arme, Brust, Hals, Gesicht – kaum eine Stelle, die nicht tätowiert ist. Was ich denn da machen würde?, fragt mich ihr spindeldürrer Wortführer. Na toll, denke ich, jetzt gibt’s aufs Maul, und meine Kamera ist auch weg. Ich deute auf das Schild und erkläre ihm mit nervöser Stimme, wie spannend ich es fände, derartige historische Artefakte zu entdecken. Gleichzeitig denke ich: Du redest dich um Kopf und Kragen. Als ob das Mr. Gesichtstattoo auch nur im Entferntesten interessieren würde. Vielmehr interessieren ihn deine Kamera und sonstigen Wertgegenstände. Ob die mich wohl einholen, wenn ich jetzt ganz schnell weglaufe?

“Ja, das ist ein geiles Schild”, erwidert der Anführer. “Ist echt antik. Ich darf das nicht abnehmen, selbst wenn ich wollte. Denkmalschutz, verstehst du?” Er stellt sich mir als Tj vor, Inhaber des Tattoo-Ladens, der vor langer Zeit einmal ein Pfeifenladen war. Dann fragt er mich, ob ich vielleicht ein paar Bilder von ihm vor seinem Laden aufnehmen könne und wirft sich auch gleich in Gangsta-Pose. Mache ich natürlich gern. Tj diktiert mir seine E-Mail-Adresse, und ich verspreche, ihm die Bilder zuzusenden. Noch am selben Abend geht die E-Mail raus.

Zwei Tage später bekomme ich eine Antwort: “Sehr geehrter Herr Woelk, ich bin’s Tj, Inhaber des Tattoo-Shops in Downtown Atlanta. Ich wollte mich nur kurz für die Bilder bedanken. Die sind super. Viele Grüße, Tj” – So viel zum Thema Vorurteile…

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