Ödnis und Opulenz

What happens here, stays here: Hilde und Herbert und ihr Las-Vegas-Geheimnis

What happens here, stays here: Hilde und Herbert und ihr Las-Vegas-Geheimnis

Weiter geht’s. Wir klopfen uns den roten Canyon-Staub aus den Kleidern und machen uns auf den Weg nach Las Vegas.

Seligman: Geburtsort der historischen Route 66Einen Teil der Strecke fahren wir auf der legendären Route 66. Es scheint allerdings, dass die Straße, die in zahlreichen Songs und Filmen als Sinnbild für Freiheit, Ungebundenheit und Abenteuer verewigt wurde, zunehmend in Vergessenheit gerät. Die wenigen Orte, die wir passieren, wirken trostlos und öde, und bis auf den einen oder anderen Motorradklub aus Deutschland ist auch auf der Route 66 nicht viel los. Stattdessen fließt der Verkehr jetzt auf den parallel verlaufenden modernen, mehrspurigen Highways. Während wir also durch ein nostalgisches Amerika preschen, drehe ich Johnny Cash at Folsom Prison auf. Passt irgendwie.

Chris und Andreas auf dem Hoover DamNach knapp vier Stunden gelangen wir zum Hoover Dam, einer Meisterleistung der Bauingenieurskunst. Zur Zeit der großen Depression haben Tausende von Arbeitern in nur vier Jahren die gewaltige Talsperre aus Stahl und Beton hochgezogen und damit den größten Stausee der USA, den Lake Mead, geschaffen. Und das ganze zwei Jahre vor dem geplanten Fertigstellungstermin. Wenn ich mir im Vergleich dazu die Posse um den Berliner Flughafen ansehe, ziehe ich ehrfürchtig die Baseballkappe.

Die gewaltige Staumauer und die Technik dahinter beeindrucken mich schwer. Außerdem gefällt mir, dass die Betonkonstruktion mit prachtvollen Art-dèco-Ornamenten verziert ist. Dies hat den scheinbar widersprüchlichen Effekt, dass der Hoover Dam zeitlos modern erscheint und dennoch zeitgeschichtlich klar verankert werden kann. Die umgebende karge Felslandschaft mit dem tief ins Gestein geschnittenen Colorado River verleiht dem Ganzen zudem einen surrealen Anstrich.

Fünfundvierzig Minuten später erleben wir das totale Kontrastprogram: Die Ödnis macht der Opulenz Platz. Willkommen in Las Vegas!

Poolbereich vom Caesars PalaceWir checken ein im prächtigen Caesars Palace – um Missverständnissen vorzubeugen: nein, Julius Cäsar hat hier nicht wirklich gelebt – und staunen nicht schlecht über unsere mondänen Zimmer, die riesigen Bäder mit Marmorfliesen und Whirlpool und den phänomenalen Blick auf den Las Vegas Boulevard. Wir schauen uns begeistert an und sind uns einig: Hier lässt es sich gut aushalten.

Die nächsten zwei Tage machen wir all das, was man in “Sin City” halt so macht: Casinos gucken, Luxusshoppen, Geld verzocken, eine Cirque-du-Soleil-Show besuchen, vorzüglich speisen und Cocktails trinken. Nur auf Stripper, Drogen, und Mike Tyson (Video) verzichten wir. (Wer mehr über die Stadt erfahren möchte, kann gern meinen Blogeintrag Viva Las Vegas lesen.)

Dann ist es aber auch gut mit der Dauerbeschallung und Reizüberflutung, und wir freuen uns auf ein ruhiges Wochenende im beschaulichen Mountain View.

Fotowand

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