Take the Long Way Home

Oregon Coast Highway: nicht ganz so spektakulär wie der Highway 1 in Kalifornien

Oregon Coast Highway: nicht ganz so spektakulär wie der Highway 1 in Kalifornien

Der Titel ist von Supertramp geborgt, und der Song klingt mir noch immer in den Ohren, wenn ich an unsere Rückreise nach Kalifornien denke.

Wir fahren auf den Oregon Coast Highway und dann die Küste entlang Richtung Süden. Zwar führt die Straße anders als in Kalifornien nicht die ganze Zeit direkt am Pazifik entlang, doch eröffnen sich auch hier immer wieder malerische Buchten und atemberaubende Abschnitte. Wir unternehmen einige kurze Abstecher ans Meer, müssen aber bald feststellen, dass wir deutlich langsamer vorankommen als gedacht, und dass wir noch einige hundert Kilometer abzureißen haben bis zu unserem nächsten geplanten Übernachtungsort.

In dem kleinen Fischerort Bandon machen wir einen Zwischenstopp. Es ist bereits früher Abend, und wir überlegen kurz, ob wir hier unser Lager aufschlagen sollten, entscheiden uns aber dagegen, um nicht auch den kommenden Tag nur im Auto zu verbringen. Nach einem schnellen Abendessen sind wir wieder auf der Straße und fahren die nächsten Stunden auf kurviger Straße durch Nacht und dichten Nebel. Gegen ein Uhr nachts checken wir müde und erschöpft in einem Motel in Eureka ein.

Erst mal einen Kaffee! Nach einer kurzen Nacht schälen wir uns mürrisch aus dem Bett. Wir statten Eureka einen kurzen Besuch ab. Abgesehen von dem pompösen und zugleich unheimlichen Carson Mansion (Eigentümer ist der “Ingomar Club”, der irgendwie an den Gentlemen’s Club in Eyes Wide Shut (Video) denken lässt) und einem erstklassigen Kaffeehaus hat die nordkalifornische Industriestadt allerdings nicht viel zu bieten.

Ferndale, einige Meilen weiter südlich, ist da schon interessanter. Dank seiner prächtig erhaltenen viktorianischen Gebäude ist dem 1400-Seelen-Örtchen bereits 1975 der Status einer historischen Landmarke verliehen worden.

Doch das wahre Highlight auf unserem Weg ist die sogenannte Avenue of the Giants, eine 30 Kilometer langer Straße, die parallel zum Highway mitten durch einen beeindruckenden Mammutbaum-Nationalpark führt.

Danach geht es auf kurvenreicher Straße über einen Gebirgskamm wieder Richtung Wasser. Erleichtert steigt Chris aus dem Wagen, als wir nach einer guten Stunde Serpentinen endlich am Pazifik stehen. Sie zündet sich zitternd eine Zigarette an und nimmt einen tiefen Zug. Allmählich weicht die Reiseübelkeit, und die Farbe kehrt in ihr Gesicht zurück. Den Rest des Weges gleiten wir sutje die Küste entlang nach Mendocino.

Seit jeher scheint die Künstlerkommune ein Sehnsuchts- und Rückzugsort für stadtmüde San Franciscaner zu sein; zumindest für ein Wochenende. Doch was ist das Besondere an diesem winzigen, beschaulichen Ort? Vielleicht ist es seine relative Abgeschiedenheit. Vielleicht sind es das raue Klima und die zerklüftete Küste, die dem Ort eine wildromantische Aura verleihen. Vielleicht ist es aber auch schlicht die Tatsache, dass hier nichts los ist, dass man einfach mal die Seele baumeln lassen kann.

Und genau das machen Chris und ich am letzten Tag unseres Roadtrips. Wir bummeln durch die Galerien der Gemeinde, schauen aufs Wasser, atmen die salzige Seeluft und genießen die Entschleunigung. Gern könnte das noch ein paar Tage so weitergehen, diese digitale Enschlackungskur. Aber irgendwann am späten Nachmittag schlagen dann doch die Autotüren zu, die Gurte rastet ein, und ich drehe den Zündschlüssel. Noch vier Stunden bis nach Hause.

Fotowand

  One thought on “Take the Long Way Home

  1. Bob's avatar
    Bob
    25. September 2014 at 05:38

    Hallo Andi, hallo Chris, mal wieder ein super Bericht, der einen mit auf die Reise nimmt. Macht jedesmal Spaß, von Euch zu lesen. Vielen Dank auch für die Karte aus Seattle, das ist der Beweis, dass ihr tatsächlich da ward 😉
    Bob

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