Man kann nicht an Seattle denken, ohne sofort einen Song von Nirvana oder Alice in Chains im Ohr zu haben – Come As You Are etwa oder Would? (Videos) –, so sehr ist die Stadt mit der Grunge-Bewegung der 1990er-Jahre verwoben. Sonstige Dinge, die einem zu Seattle einfallen, sind dann vielleicht noch Regen, Kaffee, die Space Needle, Amazon oder die Meg-Ryan-Tom-Hanks-Komödie Schlaflos in Seattle.
Wir mieten uns für ein paar Tage ein Apartment und gehen auf Erkundungstour. Mal sehen, was die Stadt uns so alles bietet:
- Sonnige Tage. An allen drei Tagen fällt kein Tropfen Regen. Wenn Engel reisen…
- Kaffee. Seattle ist die Heimat von Starbucks. Von hier aus begann in den späten 1980er-Jahren die Kaffeerevolution in den USA, und Caffè Latte und Frappuccino traten ihren Siegeszug gegen die traditionelle Plörre an. Starbucks erster Coffeeshop am Pike Place Market besteht seit 1976 und ist mittlerweile ein Touristenmagnet mit langer Warteschlange. Für echte Kaffee-Aficionados hingegen ist Starbucks längst passé. Sie hängen in den Boutique-Röstereien der Stadt ab, auf der ewigen Suche nach der perfekten Bohne.
- Space Needle. Die von John Graham entworfene “Weltraumnadel” wurde 1962 zur Weltausstellung eröffnet, getreu dem Ausstellungsmotto „Das Leben des Menschen im Weltraumzeitalter“. Seither gilt der futuristische, 180 Meter hohe Aussichtsturm als Wahrzeichen der Stadt. Von oben hat man einen grandiosen Blick auf das Stadtzentrum und den Puget Sound. Weitere interessante Gebäude der Stadt sind der Smith Tower, 1914 eröffnet und bis zum Bau der Space Needle das höchste Gebäude Seattles, der Rainier Tower von Minoru Yamasaki sowie die umstrittene Central Library von Rem Koolhaas. Ach ja, Frank Gehry hat mit dem EMP Museum ebenfalls seinen Fußabdruck in Seattle hinterlassen; allerdings einen sehr schwachen.
- Ballard. Das Arbeiterviertel im Nordwesten der Stadt bietet neuerdings auch einen Bio-Wochenmarkt, nette Boutiquen, hervorragende Restaurants und – natürlich – die besten Coffeeshops der Stadt. Das Viertel erinnert uns ein wenig an den Prenzlauer Berg der späten 1990er-Jahre, im Umbruch, aber noch nicht totsaniert.
- Bier. Neben Gourmetkaffee ist craft beer (Bier aus kleinen Privatbrauereien) das zweite Gegenmittel gegen Dehydratation. Nun scheint gerade an der Westküste ein Wettstreit darin zu herrschen, wer das herbste IPA brauen kann. Nichts für mich, bin ich doch kein Freund von allzu stark gehopften Bieren. Als ich aber herausfinde, dass Seattle traditionell eine Pils-Kultur pflegt, fühle ich mich gleich wie zu Hause. Cheers!
- Und dann ist da noch die I-5. Brutal pflügt die ungestalte, vielspurige Interstate 5 durch die Stadt und zerteilt sie in einen West- und einen Ostteil. Den besten Blick auf den brachial-urbanen Eingriff bietet die Aussichtsetage des Columbia Centers, des höchsten Gebäudes Seattles.
Nach zwei anstrengenden, aber eindrucksvollen Tagen sind auch wir wieder auf der I-5, diesmal Richtung Süden. Nächte Station: Portland, Oregon.
Fotowand
Filmtipps für die Sofareise
- Singles
Eine Handvoll Mittzwanziger auf der Suche nach Erfolg in der Liebe und im Beruf. Den Soundtrack liefern die Grunge-Bands der Zeit. Sympathische Komödie mit Bridget Fonda and Matt Dillon - Schlaflos in Seattle
Meg Ryan, Tom Hanks, Nora Ephron – damit ist eigentlich alles gesagt. Romatische Komödie mit den genretypischen Zutaten. Solide Sonntagabendkost - The Killing (TV-Serie)
Eine Schülerin wird ermordet, eine Kommissarin ermittelt. Klingt altvertraut und ist doch alles andere als die übliche Standardware. Vielschichtig, hervorragend gespielt und inszeniert, mit einem traurigen Seattle als Kulisse. Hier der deutsche Trailer. Vorsicht: Suchtgefahr!
