Und wieder Google. Diesmal richtete sich der Zorn der (Selbst-)Gerechten gegen eine Bloggerin, die mit Ihrer Google-Glass-Brille zu später Stunde im Punk-Schuppen Molotov’s auftaucht. Einige der Gäste fordern sie auf, die Datenbrille abzusetzen, da sie befürchten, ohne ihr Einverständnis gefilmt zu werden. Es kommt zum Wortgefecht, dann fliegen die Fäuste. Wer wann wen provoziert hat, bleibt unklar; die Zeugenaussagen widersprechen einander.
Deutlich wird jedoch auch hier, dass Google und Co. mit ihren Produkten die Einwohner San Franciscos polarisieren: auf der einen Seite die Tech-Avantgarde mit gutem Gehalt und den neuesten technischen Spielereien. Auf der anderen Seite diejenigen, die das zunehmende soziale Ungleichgewicht kritisieren und eine Vereinnahmung und Nerdifizierung „ihrer“ Stadt durch die Arbeiterbienen der Tech-Industrie fürchten.
Hinzu kommt, dass Google Glass an sich ein umstrittenes Produkt ist. Mit der Datenbrille kann man seine Umgebung aufzeichnen, ohne dass die anwesenden Personen es mitbekommen. Zudem ist Google Glass mit einer Software zur Gesichtererkennung ausgestattet, die es ermöglicht, sein Gegenüber zu identifizieren. Dass sich viele Menschen deshalb Sorgen um ihre Privatsphäre machen, kann ich gut nachvollziehen, besonders im Licht der NSA-Affäre.
Google ist sich bewusst, dass es außerhalb der Tech-Community noch kaum soziale Akzeptanz für die Datenbrille gibt. „Don’t be a glasshole“, rät der Konzern daher seinen Google-Glass-Testpersonen und gibt ihnen eine kurze Liste mit Anstandsregeln mit auf den Weg. Nicht alle halten sich daran. Und deshalb gibt es zunehmend Bars und Restaurants in denen das Tragen von Google Glass untersagt ist: Wir müssen leider draußen bleiben!