Vor ein paar Monaten flogen sogar Steine. Eine Scheibe ging zu Bruch, doch verletzt wurde zum Glück keiner der Pendler, die in einem der anonymen weißen Shuttlebusse saßen, die zum Hassobjekt zahlreicher San Franciscans geworden sind.
Die Busse verbinden die Stadt mit den Hightech-Unternehmen des rund 50 Kilometer südlich gelegenen Silicon Valley. Ob Google, Facebook oder Apple, sie alle haben eine ausgeklügelte Infrastruktur aufgebaut, die es ihren Mitarbeitern erlaubt, in San Francisco zu leben und im Silicon Valley zu arbeiten. Die komfortablen, mit Wi-Fi ausgestatteten Pendlerbusse holen die jungen Tech-Arbeiter frühmorgens vor der Haustür ab und liefern sie pünktlich zur Happy Hour vor der Hipster-Bar wieder ab.
Die Bay Area wird Zeuge eines demographischen Wandels. Denn anders als in den vergangenen 30 Jahren, in denen sich die Ingenieure und Entwickler mit ihren Familien nah an den Firmencampus zwischen Redwood City und San Jose angesiedelt haben, entschließen sich immer mehr Zuziehende, in San Francisco zu leben. Und wer kann es den jungen, meist ungebundenen Uniabsolventen verübeln, dass sie eine vielfältige Musik- und Restaurantszene, ein reges Nachtleben, und einen großen Datingpool dem gediegenen, familienlastigen Valley vorziehen?
Die Unternehmen regieren auf diesen Trend im Wettstreit um die jungen Talente. Entweder verlegen sie ihren Firmensitz gleich direkt nach San Francisco wie etwa Twitter oder Pinterest. Oder sie bieten ihren Mitarbeitern eine Möglichkeit, bequem zwischen Zuhause und Arbeit zu pendeln – besagte Shuttlebusse eben.
Doch der Tech-Boom und der damit einhergehende Goldrausch, den San Francisco derzeit erlebt. haben auch ihre Schattenseiten. Mit den hohen Gehältern kommt die Gentrifizierung. Und mit der Gentrifizierung kommt die Verdrängung.
Ehemalige Arbeiterviertel wie der Mission District werden zu angesagten Szenebezirken aufpoliert. Aus Lagerhallen werden Luxusapartments. Wohntürme aus Glas wachsen in den Himmel. Und die Mieten steigen ins Maßlose: 3350 Dollar sind es im Schnitt, doch auch 9000 Dollar pro Monat für ein Zweizimmerapartment in guter Lage ist keine Seltenheit. Viele Anwohner können da nicht mithalten und ziehen weg. Kleine Läden, Galerien oder Clubs müssen schließen, weil die Miete den Gewinn auffrisst oder weil das Gebäude Platz machen muss für neu gebaute und teuer verkaufte Eigentumswohnungen.
Als Google dann auch noch mit der Stadtverwaltung aushandelt, dass die Shuttlebusse nahezu kostenfrei die öffentlichen Bushaltestellen anfahren dürfen, um dort ihre Mitarbeiter aufzusammeln, entlädt sich der Groll der Tech-Kritiker und Sozialaktivisten. Streikposten blockieren die Busse, es kommt zu Drohungen und Steinwürfen.
Google steuert gegen und sponsert ein Programm, das es Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien ermöglicht, kostenlos das öffentliche Nahverkehrsnetz zu nutzen. Eine wohlwollende Geste, doch das grundsätzliche Problem des beschleunigten sozioökonomischen und -kulturellen Wandels ist damit nicht aus der Welt geschafft.
Mittlerweile hat sich die Situation etwas entschärft und die Busse kutschieren weitgehend unbehindert ihre wertvolle Fracht hin und her. Der Konflikt schwelt weiter.

Es wird doch nun auch darüber nachgedacht, Katamarane zum Transport einzusetzen.