Inspiration L.A.

Kaleidoskop von Eindrücken: Venice Beach ist einer der buntesten Stadtteile von L.A.

Kaleidoskop von Eindrücken: Venice ist einer der buntesten Stadtteile von Los Angeles

Chris im Stress: Sie muss bis Mai zwei Ausstellungen vorbereiten und hat das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Am besten also erst mal ein paar Tage raus aus der gewohnten Umgebung, durchatmen und den Kopf frei bekommen für frische Ideen.

Da trifft es sich gut, dass in Los Angeles gerade die Art Los Angeles Contemporary stattfindet, eine internationale Kunstmesse für zeitgenössische Kunst. Vielleicht findet sich ja hier die eine oder andere Inspiration. Außerdem ist es mittlerweile mehr als drei Jahre her, seit wir das letzte Mal in L.A. gewesen sind. Alles gute Gründe für einen Kurztrip nach SoCal (Southern California).

Die CDs für die Fahrt sind sortiert, den Auftakt machen die Teddybears (Video). Die nächsten sechs Stunden verbringen wir auf dem Highway, der über Hunderte von Meilen schnurgerade die karge Landschaft durchschneidet, bis er sich kurz vor Los Angeles über den Tejon-Pass schlängelt. Dann öffnet sich die Sicht und wir blicken in den Talkesseln, in dem Milliarden von Lichtern schimmern – vor uns liegt die Stadt der Engel.

Boheme mit Ballerina-Clown

Unser Quartier beziehen wir wie zuvor im Inn at Venice Beach, einem charmanten kleinen Boutiquehotel direkt an den Venice Canals und keine zweihundert Meter vom Strand entfernt.

In Venice verschmilzt die bunte und entspannte Aussteiger- und Surfkultur mit einer Neo-Boheme-Szene und schicken neuen Designwelt: T-Shirt- und Sonnenbrillenstände für die Strandtouristen gehören ebenso dazu wie die Tattoo- und Piercing-Studios, die trendigen Locavore*-Restaurants, Yogastudios und Nobelboutiquen, die Retro-Surf-Shops und natürlich die “Kliniken” für medizinisches Marihuana.

Wir lieben Venice. Die kulturelle Vielfalt, die ansprechenden Shopping- und Ausgehadressen, die Möglichkeit, fast alles zu Fuß erledigen zu können (in einer Stadt, in der ohne Auto sonst nichts geht), und natürlich der Strand vor der Haustür suchen ihresgleichen. Nur allzu gern würden wir ein Haus an den Venice Canals beziehen. Einzig, dazu fehlen uns ein paar Millionen Dollar.

* Locavore bezeichnet nachhaltig, mit ethischem und ökologischem Bewusstsein erzeugte Bioprodukte direkt vom regionalen Erzeuger. Ein Trend, der seit einigen Jahren die San Francisco Bay Area und andere Metropolregionen der USA erfasst hat.

Kunstmesse mit Knalltüten

Wichsen statt winken: Happy Cat von Sean Shim-Boyle Zum fünften Mal findet in einem Flugzeughangar in Santa Monica die Kunstmesse Art Los Angeles Contemporary (ALAC) statt. Die Veranstalter haben es sich auf die Fahne geschrieben, dazu beitragen zu wollen, Los Angeles als Zielort für zeitgenössische Kunst zu positionieren. Rund 70 Galerien präsentieren ihre Künstler. Der Großteil davon kommt aus L.A., aber auch Galerien aus Berlin und Köln sind auf der ALAC vertreten. Wir sind gespannt.

Wie das im Allgemeinen mit Kunst so ist, liegt ihre Schönheit im Auge des Betrachters. Doch weder Chris noch ich entdecken einen Künstler oder eine Künstlerin, die uns von den Socken haut. Vieles wirkt beliebig und austauschbar: viel Konzeptkunst, Pornografie und schon Gesehenes. Dazu Galerievertreter im Doppelpack, deren zur Schau gestellte Blasiertheit und Gleichgültigkeit ihresgleichen sucht, uns erst verärgert, dann schmunzeln lässt. Hier ein Best-of:

Nach nur zwei Stunden sind wir fertig. Leider ist die erhoffte Inspiration ausgeblieben. Enttäuscht und ein wenig müde schlendern wir zum Ausgang des Hangars. Immerhin gibt es hier eine Kaffeebar mit gutem Espresso.

Kunst im Buch: LA Art Book Fair Auch die zweite Messe, die an diesem Wochenende in Los Angeles stattfindet, die LA Art Book Fair in Downtown L.A., erweist sich unterm Strich als weniger spannend als erwartet. Mehr als 250 Herausgeber von Kunstbüchern, -zeitschriften, und -journalen halten Hof. Und obwohl Super Bowl Sunday ist, das größte Sportereignis der Welt, das halb Amerika vor den Fernseher fesselt, sind die Hallen des Geffen Contemporary rappelvoll mit Besuchern.

Schon bald sind Chris und ich überwältigt von der Menschenmasse und den Tausenden von Büchern, Magazinen und Fanzines. Es fällt schwer, sich ein Urteil zu bilden: Was ist relevant, was belanglos? Welche Stimmen sind wichtig, welche sind Hintergrundrauschen? Immerhin sind die Aussteller deutlich interessierter daran, ihre Publikationen zu vermarkten und das Gespräch mit geneigten Besuchern zu suchen.

Hochkultur mit Hilary

Seit ihrer Eröffnung vor zehn Jahren ist die Walt Disney Concert Hall, Heimstatt der Los Angeles Philharmonic, zu einem neuen Wahrzeichen der Stadt geworden. Kein Wunder, kann man sich doch der Wucht von Frank Gehrys atemberaubender Architektur einfach nicht entziehen. Doch das Gebäude ist nicht nur ein visueller Genuss, der Konzertsaal soll überdies ein einmaliges akustisches Erlebnis bieten.

Konzertsaal der Walt Disney Concert Hall (auch die Orgel wurde von Gehry entworfen) Wir lassen uns gern überzeugen bei einem Konzert der Philharmoniker mit der Violinistin Hilary Hahn. Nun sind weder Chris noch ich Kenner klassischer Musik, und wir haben zuvor weder von Frau Hahn gehört, noch von dem Komponisten Carl Nielsen, dessen Werk an diesem Abend gespielt wird. Doch letztlich ist das egal. Ein klassisches Konzert ist normalerweise immer ein Erlebnis, besonders wenn es von einem renommierten Orchester gespielt wird. So auch dieses Mal.

Alles in allem, Los Angeles ist immer wieder eine Reise wert. Inspiration findet sich in allen Ecken und Winkeln, allerdings nicht immer dort, wo man auf sie hofft. Los Angeles ist auch immer gut für eine Überraschung: Als wir uns auf den Rückweg nach Hause machen, geraten wir in einen heftigen Schauer. Wie bitte? Ich schalte den Scheibenwischer an und schüttle ungläubig den Kopf. Von wegen, It Never Rains In Southern California (Video)

Fotowand

Filmtipps für die Sofareise

  • Californication (Venice)
    David Duchovny als Schriftsteller Hank Moody, der all das tut, was gemeinhin gegen Anstand und Sitten verstößt. Kurzweilig und unterhaltsam, aber irgendwann auch ermüdend. Hier eine Kostprobe
  • Der Solist (Downtown L.A.)
    Abgehalfterter Journalist hilft obdachlosem, verwirrtem Musikgenie. Kluges Kino mit Robert Downey Jr. und Jamie Foxx in ihren bisher stärksten Rollen

  One thought on “Inspiration L.A.

  1. Karsten's avatar
    Karsten
    11. February 2014 at 08:59

    Venice ist auch wieder en vogue? Ich war vor 15 Jahren mal da und enttäuscht und das nicht nur weil Pam Andersen nicht gedreht hat (Ärger mit Tommy Lee). Bin ja beizeiten mal auf Bilder gespannt…

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