Vom Big Island geht es weiter nach Kauai, der sogenannten „Garteninsel“ im Nordwesten Hawaiis, dem letzten Stopp unseres Inselhoppings. Schon beim Anflug wird klar, woher die Insel ihren Beinamen hat: Das satte Grün des Regenwalds und die über der Insel hängenden Wolken weisen auf eine üppige und vielfältige Vegetation hin.
In diesem Paradies wollen wie die letzte Ferienwoche verbringen, mit dem erklärten Ziel, endlich einmal so richtig auszuschlafen, täglich Yoga zu betreiben, mit den Wasserschildkröten zu schwimmen, gepflegt am Strand abzuhängen und viele kluge Bücher zu lesen. Gesunder Erholungsurlaub halt. Und wo, bitte schön, kann man stilsicherer Surfen lernen als im Ursprungsland des Wellenreitens vor der Küste Hawaiis? Eben!
Wilde Hühner, wilde Landschaften
In Poipu, dem Sonnenloch im Süden der Insel, haben wir ein Apartment gemietet mit Blick aufs Meer. Den hat man jedenfalls, wenn man an einem bestimmten Punkt auf der Veranda steht und den Hals ein wenig verrenkt. Davon abgesehen ist die Wohnung super: riesengroß, und mit allem ausgestattet, was man sich als Feriengast so wünscht. Zum Strand sind es kaum zwei Minuten zu Fuß. Alle Voraussetzungen sind also gegeben für ein paar entspannte Tage. Doch es kommt anders.
Um 4 Uhr morgens schlägt der erste Hahn an und erklärt die Nachtruhe für beendet. Wenig später ist die ganze wilde Hühnerschaft von Poipu damit beschäftigt, lautstark die Frühnachrichten zu diskutieren. Wir sitzen senkrecht im Bett und schauen uns ungläubig an: Das kann doch nicht wahr sein! Es sind Momente wie dieser, in denen ich kurz davor stehe, mein Vegetariersein aufzugeben, und mir die Erinnerung an knusprig gebratenen Grillhähnchen kommt. Ich vergrabe meinen Kopf unter den Kissen, doch es dauert eine Weile, bis ich das Gekräh und Geschrei ausblenden kann.
Auch die Anzahl unserer Strandtage ist deutlich geringer als geplant, wie mir Chris auch Wochen später noch unter die Nase reiben wird. Zwar zieht es uns jeden Abend für ein, zwei Stunden ans Meer, um bei einem kühlen Bier den Sonnenuntergang zu genießen, doch das zählt für meine Liebste nicht: Strandtage sind, wie der Name schon sagt, ganze Tage, die man am Strand verbringt. Okay, da hat sie einen Punkt.
Andererseits kann man nicht nach Kauai kommen und nicht eine Wanderung auf dem Kalalau Trail unternehmen entlang der spektakulären Nā-Pali-Küste. Auch die pittoresken Wasserfälle Wailua Falls und Manawaiopuna Falls, die schon in Filmen wie Jurassic Park (Video) die Vorstellung von Südsee und Abenteuer prägten, sollte man sich ansehen, wenn man doch schon mal vor Ort ist.
Und dann ist da noch der gewaltige Waimea Canyon, der von der Tourismusindustrie vollmundig als “Grand Canyon des Pazifiks” angepriesen wird. Das ist zwar ein wenig überzogen, eindrucksvoll sind die Ein- und Aussichten entlang des 16 Kilometer langen Canyons mit seinen tiefroten Felsen aber allemal, selbst bei wechselhaftem Wetter.
Catching some waves
Mein Freund Gerrit meint, er werde mich noch in Oldendorf, am anderen Ende der Welt, fluchen hören wie ein Kesselflicker, wenn ich versuchen sollte, Surfen zu lernen. Er stützt sich dabei auf Erfahrungswerte aus einem gemeinsamen Winterurlaub, in dem ich zum ersten Mal auf einem Snowboard stand. Zugegeben, damals hatten ich viel Schnee geschluckt und meinen Kumpels ziemlich häufig das Brett von unten gezeigt. Und ja, ich habe mich dabei nicht immer gesittet ausgedrückt.
Da das warme Pazifikwasser dem Steißbein gemeinhin zuträglicher ist als eine vereiste Skipiste, bin ich guter Dinge. Unser Lehrer Charlie ist mit Leib und Seele Surfer, auch mit Anfang 50 ist er bei Wettkämpfen vorne mit dabei. Wir verbringen nur wenige Minuten mit Trockenübungen am Strand. Getreu dem Motto “Übung macht den Meister” schickt er uns sogleich in die Wellen, und ich bin erstaunt, wie gut es gelingt, nicht nur auf dem 3 Meter langen Board aufzustehen, sondern auch das Gleichgewicht zu halten und auf dem Wellenkamm Richtung Strand zu gleiten. Begeistert rufe ich gen Oldendorf: “Woo!, brah, I’m catching some waves!” Dann flutscht das Brett unter meinen Füßen weg und ich mache doch noch einen Abgang.
Chris, die erklärtermaßen kein Freund des Wassersports ist, und die sich zunächst mit Händen und Füßen gegen eine Surfstunde gesträubt hat, macht eine noch bessere Figur. Gut ausbalanciert reitet sie über die Wellen. Die zahllosen Yogastunden machen sich augenscheinlich auf dem Brett bemerkbar und vollführen einen Sinneswandel. Meine Süße hat einen Riesenspaß und ist sogar ein wenig enttäuscht, als die Zeit um ist und wir uns von Charlie verabschieden.
Wie immer vergeht die Zeit im Urlaub viel zu schnell, und schon packen wir unsere Koffer für den Rückflug in den Alltag. Das sollen zweieinhalb Wochen gewesen sein? Das Gemeine: In der Regel brauche ich drei bis vier Tage, um vollständig vom Arbeits- in den Urlaubsmodus umzuschalten. Umgekehrt ist das nie der Fall – sobald ich das Büro betrete, tauche ich ein in das wundervoll hektische Arbeitschaos von StubHub. 1137 ungelesene E-Mails erwarten mich, und nur die Macadamianüsse, ein Mitbringsel für die Kollegen, bieten einen kurzen Nachgeschmack von Hawaii.

Baby, ich bin immer wieder begeistert, wie Du uns an Euren Trips teilhaben lässt! Und, Chapeau, es scheint ja geklappt zu haben, das mit dem “shreddin’ some heavies”… All attentions 😉 ach, übrigens, ich bin ja für die neue Serie Hawaii FiveO. See you in HH, Hoschi