Liest man sich ein wenig in die polynesische Geschichte und Kultur ein, wird schnell klar, wie sehr idealisiertes Image und historische Tatsachen auseinanderklaffen: Anmutige, blumengeschmückte Hula-Tänzerinnen vor Palmenkulisse und malerischem Sonnenuntergang wecken die Sehnsucht nach Südseeromantik. Dabei bestimmten über Hunderte von Jahren Stammeskriege und ein drakonisches, streng reglementiertes Gesellschaftssystem mit grausamen Ritualen und sogar Menschenopfern die Stammeskulturen Polynesiens.
Ruckzuck ist die Rübe ab
Kapu – ein Tabu – war es zum Beispiel, dass der eigene Schatten den Schatten des Häuptlings oder königlichen Eigentums berührte, dass Malzeiten für Männer und Frauen in denselben Töpfen zubereitet wurden oder dass Frauen Bananen oder Kokosnüsse verspeisten. Die Strafe war in der Regel immer dieselbe – der sofortige Tod. Immerhin schien es eine Wahlmöglichkeit gegeben zu haben zwischen Tod durch Erschlagen, Erwürgen oder Verbrennen.
Für die Todgeweihten gab es nur eine Chance: Gelang es ihnen, den Vollstreckern zu entkommen und durch die Wellen des Pazifiks an den Strand des Puʻuhonua o Hōnaunau, einer heiligen Zufluchtsstätte, zu gelangen, wurden sie von den Priestern des Ortes amnestiert. Danach durften sie zu ihrem Stamm zurückkehren und frisch starten. Dennoch kann man wohl sagen: Zimperlich ging es nicht zu.
Grimmer als Grimm
Wunderschön wird dies in einer Anekdote von Lonoikamakahiki, kurz Lono, illustriert, einem verschmitztem Stammeshäuptling: Als das Schlitzohr vom König von Oahu zum Wettangeln herausgefordert wird, bringt Lono zwar keine Angelrute mit, dafür aber einen Begleiter. Als der König einen großen Fisch fängt und siegessicher zu Lono herüberschaut (und sich wahrscheinlich schon überlegt, auf welche Art und Weise er diesen zu Tode bringt), greift Lono in die Trickkiste: Zack!, erschlägt er seinen Begleiter, nutzt dessen Eingeweide als Angelschnur, den Kopf als Grundblei und das Fleisch als Köder. Aus dem Oberschenkelknochen schnitzt er geschwind einen scharfen Angelhaken, an dem – schwupps! – auch bald ein riesiger Thunfisch zappelt. Daumen hoch, König ausgetrickst.
Captain Cooks letzte Reise
Auch der legendäre Weltumsegler James Cook hat mit den Hawaiianern einschneidende Erfahrungen gemacht. 1778 tritt er auf dem Big Island an Land. Seine hochgewachsene Gestalt macht ordentlich Eindruck, und die Einheimischen sehen in ihm einen Gott. Doch die Ehrfurcht schwindet schnell, als die Seeleute die hawaiianischen Frauen bedrängen. Es kommt zum bewaffneten Konflikt, in dessen Verlauf die Hawaiianer Cook und einige seiner Männer niedermetzeln.
Doch dann setzt das schlechte Gewissen ein und sie beschließen, Cook wenigstens im Tod die höchsten Ehren zukommen zu lassen: sie filetieren den Seefahrer, teilen die Knochen unter den Stammeshäuptlingen auf und übereignen den Briten als Zeichen des Respekts das restliche Fleisch. Die Reaktion kann man sich vorstellen.
So, nun aber Schluss mit Blutvergießen. Schließlich sind wir zur Erholung hier, da wollen wir uns nicht länger mit den düsteren Seiten Hawaiis beschäftigen. In den nächsten zwei Wochen darf deshalb gern ein Hauch Südseeromantik durch unseren Urlaubsalltag wehen. Und wo findet man die besser als abends am Strand?


Wenn es die Hemden auch in Braun gibt, wäre das der Renner am Millerntor. 🙂
Vintage Reyn Spooner. Sag Bescheid, und ich bring dir nächstes Mal auch eins mit. Macht sich bei Pauli-Spielen sicher nicht schlecht 🙂
Schickes Hemd !!!