Mit Erschrecken stelle ich fest, dass ich seit gut zwei Jahren keine richtige Auszeit mehr hatte. Sicher, hier und da ein freier Tag, ab und an ein langes Wochenende oder ein Kurztrip mit den Schwiegereltern war schon drin, doch Urlaub im deutschen Sinn war das nicht. Kein Wunder, dass ich mich abgespannt fühle. Meiner Süßen geht es ebenso, also ab nach Hawaii.
Ich weiß, was Sie jetzt denken, und Sie haben Recht…
Hawaii, da kommt mir natürlich sofort Magnum (Video) in den Sinn: Pornobalken, roter Ferrari, buntes Aloha-Hemd. Weitere Assoziationen: die Titelmusik von Hawaii Fünf-Null (Video), sanftmütige Hula-Tänzerinnen mit Blütengirlanden um den Hals, Waikiki Beach, Elvis mit Ukulele in Blue Hawaii (Video) und natürlich die sonnengebräunten Surfer auf dem Wellenkamm der Brecher des North Shore. Mal sehen, was da dran ist.
In nur fünf Stunden landen wir in Honolulu, der Hauptstadt der Inselkette. Zwei Stunden später sitzen wir mit einem gut gekühltem Longboard Lager am Strand von Waikiki und entkräften sogleich den ersten Irrglauben: von wegen, es gibt kein Bier auf Hawaii (Video). Es schmeckt sogar ausgezeichnet.
Was mich viel mehr verwundert, ist, wie klein der Strand von Waikiki tatsächlich ist. Schmal schlängelt sich der weiße Sandstrand vor den gigantischen Bettenburgen der 1960er- und 1970er-Jahre entlang. Und dies ist einer der bekanntesten Strände der Welt? Hier hat Duke Kahanamoku das Surfen erfunden? Kaum zu glauben.
Doch das fragt sich wohl sonst keiner der mehr als 2,5 Millionen Touristen, die es jährlich nach Waikiki zieht. Dicht an dicht liegen die Sonnenhungrigen zwischen Palmen und Surfboardverleih und tummeln sich die Wasserratten im glasklaren, herrlich warmen Pazifik.
Den östlichen Abschluss von Waikiki bildet der Krater Diamond Head, die Landmarke der Insel. Ein kurzer, aber steiler Pfad führt auf den 230 Meter hohen Berg. Oben sein ist immer toll, denken wir uns, denn von oben kann man runtergucken. Also geschwind rauf auf den Krater. Obwohl sich just in dem Moment, in dem wir den Gipfel erreichen, eine Wolkendecke über die Insel schiebt, wird unsere Anstrengung belohnt – die Sicht über Honolulu und den Südteil von Oahu ist grandios.
Die Stadt selbst ist nicht ganz so beeindruckend. Wären da nicht die Palmen und Banyanbäume, der nahe Pazifik und die vielen Polynesier, könnte man meinen, in einer typischen amerikanischen Großstadt gelandet zu sein: Gigantische Einkaufszentren, Parkhäuser und eine ausdruckslose Hochhauskulisse bestimmen das Innenstadtbild.
Man muss schon ein wenig suchen, um das eine oder andere historische oder architektonische Juwel zu entdecken; den Iolani-Palast etwa, in dem die Geschichte Hawaiis von der Monarchie, zur Republik und schließlich zum Anschluss an die Vereinigten Staaten (Hawaii tritt erst 1959 als 50. Bundesstaat den USA bei) spannend nachgezeichnet wird. Oder das baulich interessante State Capitol, das mit seiner gelungenen Synthese aus Bauhausstil und hawaiianischer Symbolik eine eigenständige Architektur begründet hat. Und dann ist da natürlich der Aloha Tower, der Leuchtturm und das Wahrzeichen Honolulus, der seit den 1920er-Jahren Schiffsreisende willkommen heißt im Paradies.
Als wir dann noch durch Honolulus Chinatown bummeln, wird Chris ungnädig: “Zeitverschwendung! Wir haben in San Francisco das schönste Chinatown der USA. Dagegen stinkt das hier doch völlig ab!” Was soll ich sagen? Sie hat Recht. Also zurück nach Waikiki, wo wir den Tag bei einigen kräftigen Mai Tais ausklingen lassen, ehe wir erschöpft ins Bett fallen.
Fotowand
Filmtipps für die Sofareise
- The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten
Tragikomödie mit George Clooney vor der Kulisse Hawaiis. Rundum gelungene Verfilmung des lesenswerten Romans von Kaui Hart Hemmings - Magnum
Magnum, Higgins, Rick und TC – jeder, der in 80ern aufgewachsen ist, kennt und liebt die TV-Serie. Zeit, die Erinnerungen aufzufrischen (frei auf YouTube) - Hawaii Fünf-Null
Welche Serie ist besser, das Original (1968-80) oder das Remake (2010-13)?
