Alles so schön bunt hier

Nicht kleckern, klotzen! David Bests "Saddle Car" ist ein echter Hingucker

Nicht kleckern, klotzen! David Bests “Saddle Car” ist ein echter Hingucker

“My name is Rene di Rosa. I am an artoholic.”

Es ist eine dieser typisch amerikanischen Geschichten: Rene di Rosa, Sohn einer Unternehmenserbin aus St. Louis und eines italienischen Aristokraten, beschließt mit Anfang 40, seinem Leben eine radikale Wendung zu geben und noch einmal neu anzufangen – als Weinbauer im sonnigen Napa Valley. 1960 kauft er ein Weingut. Neben der Weinherstellung findet di Rosa Interesse an der Kunst seiner Zeit. Er freundet sich mit zahlreichen Künstlern der Bay Area an und begründet die wahrscheinlich wichtigste und interessanteste regionale Sammlung Nordkaliforniens: die di Rosa Collection. Seit 1997 ist sie der Öffentlichkeit zugänglich.

Di Rosa liegt auf halbem Weg zwischen Napa und Sonoma. Um die Kollektion zu sehen, muss man an einer geführten Tour teilnehmen. Einen ersten Eindruck der vielfältigen Sammlung erhält man im Empfangsgebäude, wo zwei großformatige Arbeiten von David Best und Deborah Butterfield den Besucher willkommen heißen:

Mit dem Pritschenwagen geht es hinein in die Weinberge. Nach rund 10 Minuten Fahrt öffnen sich die Türen zu einer enormen Galerie; wir betreten di Rosas quietschbuntes Wunderland.

Die mehr als 2000 Arbeiten umfassende Sammlung repräsentiert knapp 900 Künstler. Sie ist extrem eklektisch, bunt und schrill, oft kitschig und verspielt, manchmal provokant. Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien, Collagen, Filme und Videoinstallationen buhlen um die Aufmerksamkeit der Besucher. Die Qualität der Arbeiten ist wechselhaft, und über so manche der ausgestellten Kunstwerke lässt sich gern geteilter Meinung sein.

P1040336Rene di Rosa lässt keinen Zweifel, dass er eng verwurzelt ist mit der Funk Art, einer Kunstbewegung in den 1960er- und 1970er-Jahren, die als rebellisch-ironischer Gegenentwurf zum abstrakten Expressionismus entstand: “I like additive art, not reductive art. I prefer maximal to minimal.” (Ich mag Kunst, die hinzufügt, nicht Kunst, die reduziert. Ich habe lieber mehr als weniger.) Genau hierin unterscheidet sich unsere Ästhetik.

Doch selbst wenn man kein Freund der Funk Art ist, macht die Ausstellung Spaß, und man muss Rene di Rosa dankbar dafür sein, einen einmaligen Schauraum für eine Nischenbewegung in der Kunstgeschichte geschaffen zu haben. Nur durch leidenschaftliche artoholics wie di Rosa wird die künstlerische Vielfalt konserviert.

Hier ein paar Eindrücke*:

* Nirgendwo finden sich Angaben zum Künstler, dem Titel oder den Materialien der Arbeiten. Das ist so gewollt. Rene di Rosa will die Arbeiten für sich sprechen lassen. Ganz in diesem Sinn habe ich mir daher auch nicht die Mühe gemacht, die Künstler der abgebildeten Kunstwerke zu recherchieren. Nur soviel: Der Pfau heißt Ray.

Post navigation

Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.