Besuch von den Schwiegereltern: Hilde und Herbert haben sich angekündigt. Es ist das erste Mal, dass sie uns in den USA besuchen.
Da müssen wir natürlich das volle Programm bieten. Schnell stelle ich eine mehrseitige Liste zusammen, mit Dingen, die wir unbedingt unternehmen müssen. Doch als ich sie stolz meiner Liebsten zeige, verdreht die nur die Augen. Sie knüllt die Seiten zusammen und kickt sie ins Altpapier: „Meine Eltern sind keine 20 mehr. Lass uns das Ganze langsam angehen.“ Genau so machen wir es.
Straße nach Süden
Nach einer kurzen Akklimatisierungs- und Orientierungsphase in der Bay Area geht es auf dem legendären Highway 1 die Pazifikküste entlang bis nach Big Sur. Die unberührte Natur hier hat schon Schriftstellern wie Henry Miller oder Jack Kerouac als Refugium gedient und zu Inspiration verholfen. Kein Wunder, wo sonst kann man so entspannt durchatmen (und Marihuana anbauen)?
In Monterey wandeln wir auf den Spuren John Steinbecks, in Carmel machen wir uns auf die Suche nach Clint Eastwood und Doris Day (ohne Erfolg). Und ein Besuch im immer wieder atemberaubendem Point Lobos State Reserve ist natürlich auch ein Muss.
Reben und Raben
Dann ab in den Norden, in die Weinanbaugebiete von Napa und Sonoma. Nach einem Besuch der herausragenden Hess-Kunstsammlung schauen Hilde und Herbert kurz auf ihrem Weingut nach dem Rechten und konstatieren: Der 2011er Sauvignon Blanc ist vorzüglich geraten. Dann geht es weiter nach Bodega Bay, dem Handlungsort von Hitchcocks Die Vögel. Das düstere Schulhaus (Video) steht noch, doch von Tippi Hedren keine Spur. (Siehe Blogeintrag Looking for Tippi)
Paradiesische Panoramen
Wir gönnen den beiden eine kurze Auszeit, um die Eindrücke zu verarbeiten. Doch keine zwei Tage später sind wir auch schon wieder auf dem Weg in den Yosemite-Nationalpark. Auf Herberts ausdrücklichen Wunsch hin läuft die Fahrt über Postal Service (Video) in einer Endlosschleife. Nach gut vier Stunden kommen wir im Nationalpark an. Die vermeintliche Blockhütte, die wir gemietet haben, entpuppt sich als großzügiges Chalet mit allem Drum und Dran, und wir müssen uns fast schon zwingen, sie zu verlassen, um den Park zu erkunden.
Doch das Aufraffen wird belohnt: Anders als zur gleichen Zeit in den Jahren zuvor sind alle Pässe offen, und wir gelangen zum Glacier Point, dem schwindelerregenden Taft Point und zum hoch 2500 Meter hoch gelegenem Olmstead Point. Die Panoramen, die sich uns eröffnen, die mächtigen Wasserfälle und Mammutbäume sind schlichtweg überwältigend und fast allein schon eine Reise nach Kalifornien wert.
So weit, so gut. Hier die ersten Eindrücke mit den Weltenbummlern:

die Aussichten kommen mir recht bekannt vor 😉