Plötzlich ein Ruck! Ich werde gegen den Sitz meines Vordermanns geschleudert. Kreischend kommt der Zug zum Stehen. Sofort gehen die Spekulationen los: Haben wir es mit einem “Personenschaden” zu tun? Im Klartext: Hat sich jemand vor den Zug geworfen? Horrorgeschichten werden ausgetauscht, erste zynische Beschwerden laut: “Schöne Scheiße, das kann ja ewig dauern. Jetzt verpasse ich mein Workout!” Smartphones werden gezückt, Fitnesstrainer und Ehepartner benachrichtigt, Verabredungen abgesagt.
Es dauert knapp 15 Minuten bis ein Schaffner durchs Abteil kommt und eine erste Einschätzung der Lage wagt: Der Zug hätte ein auf den Schienen stehendes Auto gerammt. Polizei und Rettungswagen seien auf dem Weg. Kurze Zeit später ist die Dunkelheit in ein pulsierendes Rot getaucht: Feuerwehr, Rettungswagen, Polizei. Über uns kreist ein Hubschrauber. Das Licht im Zug erlischt. Aussteigen dürfen wir nicht.
Eine weitere Stunde später schnauft ein beleibter Sheriff durch den Zug. Er wird mit Fragen beworfen. Nein, in dem Wagen hätten sich keine Personen befunden. Nein, so wie es aussähe, sei niemand verletzt worden. Wie das Fahrzeug auf die Schienen käme, müsse noch geklärt werden. Er wisse nicht, wann es weitergehe. Caltrain-Techniker seinen unterwegs, um festzustellen, ob der Zug Schaden genommen hätte.
Hat er. Mit der Folge, dass wir nicht weiterfahren dürfen. Nur das Warten geht weiter. Irgendwann verschwinden die roten Lichter. Irgendwann werden wir in den letzten Bahnhof nach Redwood City zurück geschleppt. Und irgendwann kommt dann auch der Ersatzzug, der die müden, des Work-outs beraubten Reisenden nach Hause bringt. Immerhin kein Selbstmord – Glück gehabt!
Ein weiterer Grund in CA endlich mehr in die Infrastruktur zu investieren! 🙂