Vier Jungs und ein paar Bier

Boygroup-Pose für die Kamera: Bob, Volker, Andreas und Gerrit unterwegs in Berlin

Boygroup-Pose für die Kamera: Bob, Volker, Andreas und Gerrit unterwegs in Berlin

Am Ende fehlt nur Uli. Der Rest der Jungs reitet wie abgesprochen in Berlin ein. Lange, sehr lange ist es her, dass wir zusammen durch die Stadt gezogen sind, uns von Bier zu Bier gehangelt haben, um schließlich irgendwo zu versumpfen. Ein Jungsabend halt.

Chris steht dem Unterfangen skeptisch gegenüberAls ich Chris beiläufig von unserem Vorhaben erzähle, sehe ich das Panik-P in ihren Augen: In ihrer Vorstellung spielen sich Szenen aus The Hangover (Video) ab (was nebenbei bemerkt ein urkomischer Film ist). Ich rede mit Engelszungen auf meine Süße ein, dass es lediglich um vier Jungs und ein paar Bier geht. Restlos überzeugt scheint sie nicht. Auch nicht, als sie sieht, dass wir unsere Tour nicht mit einem Bier beginnen, sondern mit einem Latte Macchiato. Wir werden alle älter.

Dann los: Die ersten Drinks nehmen wir im Solar mit atemberaubendem Blick über die Stadt. Die Sonne geht gerade unter, softe Beats liefern den Soundtrack, und alles ist schön. Auch die Light-Show hinter der Bar. Doch die darf man nicht fotografieren. “Der Chef will das nicht”, erläutert uns die Bedienung mit einem Schulterzucken. Wir tun es trotzdem. Und ordern die nächste Runde.

Hunger. Kurze Abstimmung und Einigkeit darüber, vietnamesisch Essen zu gehen. Im favorisierten Monsieur Voung wird es um diese Zeit rappelvoll sein, also ab ins PanAsia, einem schicken panasiatischen Restaurant mit vielversprechender Speisekarte. Die Biere stehen schnell auf dem Tisch, doch das Essen lässt auf sich warten. Unser Kellner ist auch keine Hilfe, nuschelt etwas von “kommt gleich” in sein Hipsterbärtchen und hält sich sonst vornehm im Hintergrund.

Nach einer knappen Stunde platzt Freund Gerrit der Kragen: “Ja wird das heute hier noch was? Lassen Sie mal den Geschäftsführer antanzen!” Der Geschäftsführer tanzt an. Es ist eine Frau. Es täte ihr unendlich Leid, doch die Küche hätte schon den ganzen Abend Probleme mit dem Strom und käme mit den Bestellungen nicht hinterher. Sie würde ja gern persönlich für uns kochen, aber dann kämen wir sicher nicht wieder… Das werden wir ohnehin nicht, also die Rechnung bitte! Mit knurrendem Magen und getrübter Spielfreude zieht die Meute weiter.

Bob und Volker mit gefülltem Bauch und aufgehellter Mine Gerrit und Andreas: einmal die Ente und einmal die vegetarische Ente …und findet wenige Minuten später schließlich doch einen Platz im guten alten Monsieur Voung. Der Service ist hübsch und charmant (schicke neue T-Shirts!), das Bier kalt, die Speisen sind schnell serviert und – wie immer – super lecker. Und mit einem Mal ist alles wieder gut.
Nicht jedermans Sache: Post-Punk im White Trash

Jetzt ein wenig Livemusik. Das White Trash ist ganz in der Nähe. Mal sehen, wer dort spielt. Draußen rauchen die Punks, drinnen spielen Yussuf Jerusalem (Video), La Secte du Futur (Video) und einige andere Bands. Ich steh schon mit gezücktem Zehner an der Kasse, als Gerrit einwendet, dass Garage-Punk und Noise-Rock noch nie so sein Fall gewesen seien. Auch die beiden anderen schwappen nicht gerade über vor Begeisterung. Also Plan B – auf nach Kreuzberg.

Wann sind wir endlich da?Nun ist das so eine Sache, wenn man aus Mitte nach Kreuzberg will. U-Bahn, S-Bahn, alles kein Problem. Man ist allerdings einige Zeit unterwegs: Rosa-Luxemburg-Platz bis Alex, dort umsteigen und weiter bis Warschauer Straße. Dann noch ein Kilometer zu Fuß durch das junge Partyvolk von Kreuzhain. Leichter Unmut macht sich breit: “Sag mal, wie kann es sein, dass wir nicht mit einem Bier in der Hand in einer Bar sitzen? Stattdessen latschen wir uns hier die Hacken ab.” – “Gleich da.”

Und das sind wir tatsächlich. Keine 5 Minuten später sind wir im Lido angekommen und halten ein Bier in der Hand. Punk’d Royal (Video) spielen ordentlichen Indie-Rock, und danach legen die Herren vom Karrera Klub auf. Ein guter Song folgt dem nächsten, eine Runde folgt auf die andere. So geht das bis in die frühen Morgenstunden.

Auf dem Rückweg darf ein echter Kreuzberger Döner nicht fehlen. Mit scharf, versteht sich. Dann bringt uns die U1 zurück in den Westen.

Als ich mich zu Chris unter die Bettdecke kuschle, versichert sie sich kurz, dass wir niemanden unterwegs verloren haben. “Ich glaube nicht”, murmel ich, “morgen werden wir es sehen.” Ich überspringe die Schlafstadien I-III und falle sogleich in den Tiefschlaf.

  One thought on “Vier Jungs und ein paar Bier

  1. Volker Back's avatar
    Volker Back
    14. November 2012 at 14:49

    Das hast du ja mal wieder sehr schön geschrieben. Es hat großen Spaß gemacht!!

  2. Lukr's avatar
    Lukr
    1. October 2012 at 11:34

    Das mit dem PanAsia hätte ich Dir sagen können. Der Laden ist berühmt berüchtigt dafür…

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