Lampenfieber in Lissabon

Lampenfieber vor Fachpublikum: Andreas schlägt sich wacker, am Ende gibt's Applaus

Lampenfieber vor Fachpublikum: Andreas schlägt sich wacker, am Ende gibt’s Applaus

Ich erhalte die Einladung, auf der Interact 2011 einen Vortrag zum Thema Designing for Trust zu halten. Mache ich natürlich gern, zumal die Konferenz in Lissabon stattfindet und ich ein paar Tage anhängen kann, um die Stadt zu erkunden. Leider kann Chris mich nicht begleiten; kurzfristige Flüge nach Übersee sind einfach zu teuer.

Es ist gut 20 Jahre her, dass ich Lissabon besucht habe auf einer Rundreise durch Portugal. Ich erinnere mich, außerhalb der Stadt gecampt zu haben und mit der Bahn hineingefahren zu sein. Ich erinnere mich an eine Brücke, die aussieht wie die Golden Gate Bridge in San Francisco, eine Jesus-Statue, die an Rio de Janeiro erinnert, und einen von Gustav Eiffel entworfenen Aufzug, der Unter- und Oberstadt miteinander verbindet. (Letzteres erweist sich als falsch; nicht Eiffel selbst, sondern Raul Mesnier de Ponsard, einer seiner Schüler, hat den mächtigen Elevador de Santa Justa entworfen. Eindrucksvoll ist er allemal.)

Malerisches LissabonJetzt bin ich also wieder hier. Und sogleich gefangen vom Zauber der spätsommerlichen Stadt; von der verwinkelten, historischen Altstadt, von der entspannten Atmosphäre und natürlich von dem warmen Licht, das die Stadt zum Leuchten bringt und die Azulejos, die bunt bemalten Keramikfliesen an den Häuserfassaden, in aller Farbigkeit strahlen lässt. Eine Stadt zum Sich-Treibenlassen, in der man den Moment genießt und die vielen grandiosen Aussichten.

Die Konferenz geht über vier Tage, und die Veranstalter geben sich alle Mühe, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Mit Erfolg: Nicht nur, dass prominente Vertreter aus der Welt des Designs und der Wissenschaft mit leidenschaftlichen und humorvollen Grundsatzreden auf das jeweiligen Thema einstimmen. Die Veranstaltung selbst findet im Veranstaltungszentrum der Calouste-Gulbenkian-Stiftung in einem großzügig angelegten Park im Herzen der Stadt statt. Und für ein gemeinsames Abendessen mit Hunderten von Teilnehmern wurde ein prunkvoller Palast aus dem 16. Jahrhundert mit Blick über den Tejo angemietet.

Es sind lange Tage voller inspirierender Vorträge und interessanter Diskussionen. Doch abseits des Konferenzgeschehens finde ich auch ein wenig Zeit, Lissabon mit seinen alten und neuen Sehenswürdigkeiten neu zu erkunden.

Cabo da Roca: westlichster Punkt KontinentaleuropasAm letzten Tag miete ich ein Auto und fahre den Tejo und die Küste entlang bis zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Kontinentaleuropas. Ausgerechnet heute kippt das Wetter. Es ist regnerisch und ich fahre in ein dichtes Nebelmeer. Als die Sichtweite unter drei Meter fällt, wird es mir zu unheimlich. So eine dicke Brühe habe ich noch nie erlebt. Ich halte an, irgendwo im Nirgendwo, und versuche die beschlagenen Scheiben freizubekommen. Vergeblich. Ich denke gerade daran umzukehren, da zieht der Vorhang ein wenig auf. Die Nebelschwaden wabern zur Seite, und ich kann die Fahrt fortsetzen.

Nach dem Cabo da Roca geht es wieder landeinwärts nach Sintra, einer malerischen Kleinstadt in den Bergen. Wegen des angenehmen Klimas diente Sintra dem Königshaus und Adel seit dem 9. Jahrhundert als Rückzugsort vor der Sommerhitze. Zudem lies sich das Land von hier aus hervorragend überblicken, und heranrückende Feinde wurden schnell ausgespäht.

Palácio da Pena: deutsche Romantik für einen deutschstämmigen KönigSeit 1995 zählt Sintra mit seinen zahlreichen Palästen zum UNESCO Welterbe. Besonders beeindruckend ist der Palácio Nacional da Pena, das Schloss Neuschwanstein Portugals, mit seiner idealisierten Interpretation einer Ritterburg. Irgendwie schon klar, dass hier ein deutscher Romantiker seine Finger im Spiel gehabt haben mus. Und tatsächlich, Auftraggeber des eklektischen Baus war der feingeistige Ferdinand II, König von Portugal mit deutscher Abstammung.

Wie um dem UNESCO-Siegel gerecht zu werden, zieht promt die Wolkendecke auf, und die Sonne lässt die intensiven Farben des Palasts erstrahlen wie in einem Marketingkatalog. Lord Byron soll einst Sintra als “prächtigen Garten Eden” bezeichnet haben. Ich kann das in diesem Moment gut nachvollziehen.

Und noch etwas anderes wird mir wieder einmal klar: Europa mit seinen unterschied-lichen Kulturen und seiner vielschichtigen Geschichte ist schon eine feine Sache.

Fotowand

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