Eine Träne im Antlitz der Ewigkeit

Inbegriff der romantischen Liebe: Das Taj Mahal ist eine in Marmor gehauene Liebeserklärung

Inbegriff ewiger Liebe: Das Taj Mahal ist eine in Marmor gehauene Liebeserklärung

Gut, dass das Taj Mahal ganz oben auf unserer Liste der Sehenswürdigkeiten steht, war von vornherein klar. Ein Indienurlaub ohne Taj Mahal ist wie Berlin ohne Brandenburger Tor oder Oktoberfest ohne Bier. Und natürlich haben wir eine Vorstellung davon, was uns erwarten; wir haben viele Bilder gesehen und zahlreiche Berichte gelesen.

Muss einfach sein: Schnappschuss vor dem Denkmal ewiger LiebeDas Taj Mahal gilt als Denkmal ewiger Liebe. Großmogul Shah Jahan ließ es seinerzeit errichten als Andenken an seine verstorbene Lieblingsfrau Mumtaz Mahal. Mumtaz war im Alter von nur 38 Jahren bei der Geburt ihres vierzehnten (14!) Kindes gestorben. Die Bauarbeiten dauerten 22 Jahre, und mehr als 20,000 Arbeiter und Künstler sollen bei der Errichtung des gewaltigsten Mausoleums der Neuzeit geholfen haben; nicht alle freiwillig. 1653 war es dann fertiggestellt. Shah Jahan selbst konnte die Vollendung allerdings nur noch aus der Ferne verfolgen. Er war zwischenzeitlich von seinem missratenem Sohn Aurangzeb gestürzt und für den Rest seines Lebens unter Hausarrest gestellt worden.

Soweit der geschichtliche Kontext in wenigen knappen Sätzen. Nachdem Chris und ich die gründlichen Einlasskontrollen passiert haben und schließlich leibhaftig vor dem Taj Mahal stehen, verschlägt es uns den Atem. Schlagartig wird uns klar, dass kein Bild, keine Beschreibung dem tatsächlichen Erlebnis gerecht wird. Auch nicht die des Literaturnobelpreisträgers Rabindranath Tagore, der das Taj Mahal mit einer “Träne im Antlitz der Ewigkeit” verglich.

Ganz klar, das Taj Mahal ist ein mächtiges Bauwerk: Der Marmorsockel, auf dem es steht, misst 100 mal 100 Meter; vom Boden bis zum Halbmond auf der Kuppel sind es gute 70 Meter. Dass das Mausoleum dennoch eine große Leichtigkeit und Eleganz ausstrahlt, liegt zum einen daran, dass es sich im Wassergraben spiegelt. Zum anderen, dass es frei stehend, allein vom Himmel umgeben ist.

Zeichen religiöser Toleranz: Islamische und hinduistische Ornamente zieren die FassadeDoch es nicht nur diese Leichtigkeit, die einen in den Bann schlägt. Es ist die perfekte Symmetrie des Komplexes, die das Taj Mahal zu einem der faszinierendsten Bauwerke der Welt macht. Shah Jahan selbst soll als federführender Architekt für diese Studie der Harmonie verantwortlich gezeichnet haben. Da ist es schon eine bittere Ironie, dass ausgerechnet der Sarkopharg Shah Jahans, der nach seinem Tod seitlich neben dem Sarkopharg seiner Frau errichtet wurde, die Harmonie der Symmetrie stört.

Gemeinhin gilt das Taj Mahal als Höhepunkt der Mogul-Architektur, die islamische und hinduistische Elemente miteinander verschmolz; ein Hinweis auf die religiöse Toleranz, die im Land geherrscht haben muss. Allah hat viele Namen, kann allerdigs nicht bildhaft dargestellt werden, auch nicht in Form von Natur. In den Moscheen und Mausoleen gibt es daher keine Statuen, sie sind licht und luftig. Ganz im Gegensatz zu den bunten Hindutempeln mit ihren unzähligen Abbildungen der Götterwelt. Dass beim Taj Mahal sowohl persische als auch hinduistische Baumeister beteiligt waren, zeigt sich unter anderem daran, dass neben den eleganten persischen Schriftzeichen auch dekorative Ornamente die Fassade schmücken, die an Blütenranken und Lotusblüten und so an das Göttliche in der Natur erinnern.

Agra Fort: Shah Jahans Festung und GefängnisDie zweite große Sehenswürdigkeit Agras ist das am Fluss Yamuna gelegene Rote Fort, eine Trutzburg gewaltigen Ausmaßes. Trotz der vielen blutigen und tragischen Geschichten, die sich laut unseres Stadtführers Ravi hier abgespielt haben, trotz der beeindruckenden, gut erhaltenen und reich verzierten Mogul-Architektur sind wir ein wenig unkonzentriert:
(1) ist dies unser drittes Fort in drei Tagen und da kann sich schon mal eine gewisse Festungsmüdigkeit einschleichen, (2) ist es Mittagszeit und brutig heiß und (3) kann eh kaum ein Bauwerk beeindrucken, nachdem man gerade zuvor das Taj Mahal besichtigt hat.

Abends entdecken wir dann die dritte Attraktion Agras: ein Costa-Café. Nach drei Wochen Abstinenz kann ich jetzt so richtig auf einen professionell geschäumten Cappuccino. Wunderbar.

Fotowand

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