
Wie aus dem Dschungelbuch: die heruntergekommene Tempelanlage wird fast ausschließlich von Affen bewohnt
Von Jaipur aus geht es weiter Richtung Agra; ein weiterer Tag auf der Straße. Auf dem Weg liegen zwei Sehenswürdigkeiten, die wir uns nicht entgehen lassen.
Zunächst geht es zu einem dem Affengott Hanuman gewidmeten Tempel. Ich muss schmunzeln, erinnert mich die heruntergekommene, nahezu menschenlose Tempelanlage doch an den Affenpalast von King Louie aus Disney’s Dschungelbuch. Nur ist es deutlich ruhiger, denn die meisten Affen haben sich vor der Mittagshitze in den Schatten verkrümelt.
Wir sind erstaunt, dass es in dem verlassenen Heiligtum tatsächlich noch einen Priester gibt. Er lädt uns zu sich ein und erzählt uns von Hanuman. Es gibt einen roten Punkt auf die Stirn (zum Schutz gegen Unglück), einen Faden ums Handgelenk (für Glück und Harmonie) und ein paar Kandiskrümel auf die Zunge (für ein süßes Leben). Derart gut gewappnet treten wir die Weiterreise an.
Nach vier Stunden Fahrt erreichen wir Fatehpur Sikri. Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung wurde die Stadt Mitte des 16. Jahrhundert innerhalb weniger Jahre von Großmogul Akbar als neuer Herrschersitz des Mogulreichs aus dem Boden gestampft. Nur, um 15 Jahre später aus strategischen Gründen wieder aufgegeben zu werden. Seither ist Fatehpur Sikri verwaist.
Teilweise wurde die Stadt von den umliegenden Dörfern als Steinbruch missbraucht. Dass sie dennoch weitgehend gut erhalten geblieben ist, wundert uns. Seit 1986 zählt sie zum Weltkulturerbe der Menschheit und steht unter dem Schutz der UNESCO.
Die angrenzende Moschee Jama Masjid wird noch heute als Gebetsstätte genutzt. Neben dem gewaltigen, fast 60 Meter hohem Siegestor ist vor allem das Grabmal des Sufi Salim Chishti im Innenhof der Jama Masjid ein Hingucker: Konturscharf zeichnet sich das strahlend weiße und reich verzierte Marmormausoleum gegen den roten Sandstein der Moschee ab.
Besonders faszinieren mich die Marmorfenster. Sie sind derart gearbeitet, dass man von außen nicht durch die massigen Verzierungen ins Mausoleum hineinschauen kann; von innen allerdings wirken sie extrem filigran, und man hat volle Sicht nach außen.
Von Fatehpur Sikri nach Agra ist es dann noch eine weitere Stunde Fahrt. Es beginnt zu dämmern, als wir unser Hotel erreichen. Bei delikater indischer Küche und mit ein paar gut gekühlten Kingfisher verarbeiten wir die Eindrücke des Tages.





