Pondicherry, Puducherry oder kurz Pondy, wie die Einheimischen sagen, ist eine Besonderheit in Tamil Nadu. Der Küstenort, der nach zahlreichen Kabbeleien zwischen den Kolonialmächten seit Mitte des 18 Jh. in französischer Hand lag, trägt noch heute Züge der gallischen Fremdherrschaft. Baumbeschattetet Straßen mit französischen Namen (neben den tamilischen), verzierte katholische Kirchen, Polizisten mit
de Gaulle’schem Képi und staubige Bouleplätze erinnern an die Côte d’Azur der 50er-Jahre; jedenfalls so, wie ich sie aus Brigitte-Bardot-Filmen kenne.
Die Regierungsgebäude in der Nähe der Strandpromenade sind arg herunter- gekommen und wurden zudem durch die Tsunamikatastrophe von 2004 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch, ich mag diesen morbiden Charme des Verfalls des fremdkulturellen Erbes.
Nirgends wird dies schöner symbolisiert als durch die Église de Notre Dame, der “rosa Kirche”. Deren Äußeres strahlt in prächtig-frischem Rosa. Das Innere hingegen ist eine einzige Baustelle: Einige der bunten Glasfenster sind eingeschlagen, das halbe Kirchenschiff wird von einem wackeligen Gerüst gestützt, das auch davor schützt, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Neben zwei ins Gebet versunkenen Besuchern sind es vor allem Krähen, die die rosa Kirche ihr zu Hause nennen, und die mit ihrem Krächzen den passenden Soundtrack zum siechenden Gotteshaus liefern. Die Vögel lassen grüßen.
Wenige hundert Meter weiter dann das totale Kontrastprogramm: Die beschauliche Stille des französischen Viertels wird schlagartig von der wuseligen Aufgeregtheit des indischen Alltags verdrängt. Hupend und knatternd schieben sich Motorräder und Autorikschas an mir vorbei. Menschen, wohin man auch sieht; sie sitzen oder liegen auf dem Bürgersteig, stehen in den Eingängen, spazieren auf der Straße; dazwischen Hunde und vereinzelt Kühe.
Mein Höhepunkt des Tages ist der Besuch des Tempels Manukula Vinayagar, der dem Elefantengott Ganesha gewidmet ist. So verwundert es nicht, dass vor dem Eingang ein waschechter Elefant die Gläubigen segnet. Gegen ein paar Früchte oder einen kleinen Geldbetrag bekommt man einen Stups mit dem Rüssel auf den Kopf. Väter lassen so ihre schlafenden Kinder segnen. Natürlich nehme auch ich diese Chance wahr. Flink werden mein zehn Rupien mit dem Rüssel entgegen- genommen und an den Geschäftspartner weitergereicht. Dann erhalte ich den Segen des Elefanten und frische so mein Karmakonto auf. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, diesen herrlichen Geschöpfen so nah sein zu dürfen, und es wundert mich nicht, dass Elefanten in Indien als etwas Heiliges verehrt werden.
Fotowand
Filmtipp für die Sofareise
- Schiffbruch mit Tiger
Ang Lee ist gerade dabei, den gleichnamigen Bestseller von Yann Martel zu verfilmen. Ausgangsort der Handlung ist Pondicherry. Mal abwarten, was es von dem Ort zu sehen gibt.
