Cinequest

Cinequest Film Festival: Blick in die Welt

Cinequest Film Festival: Blick in die Welt

Zum 21. Mal jährt sich das Cinequest Film Festival in San Jose. Ein Hauch weite Welt weht durch die ansonsten eher piefige Metropole im Herzen das Silicon Valley. Zugegeben, Cinequest ist nicht vergleichbar mit den großen, glamourösen Festivals in Cannes,  Berlin, Venedig oder Sundance. Es gibt keine Weltpremieren, keine internatio- nalen Filmstars, die auf dem roten Teppich dem Blitzlichtgewitter entgegenschreiten. Wobei, diesjähriger Preisträger des ausgelobten Maverick Spirit Award ist John Turturro. Und den kennt man dann doch aus Filmen wie Barton Fink, Quiz Show oder The Big Lebowski.

Auf jeden Fall sieht man Filme, die es hier sonst nicht ins Kino schaffen. 85 Spielfilme und ebensoviele Kurzfilme aus aller Welt stehen auf dem Programm. Gezeigt wird die Originalfassung mit Untertiteln. Normalerweise ist dies das Todesurteil für ausländische Filme – der gemeine Amerikaner liest nicht gern, schon gar nicht im Kino. Doch die Spielsäle sind gut gefüllt, einige Vorführungen sogar komplett ausgebucht.

Da es sich in der Regel um kleinere Produktionen handelt, gibt es vorab nur wenig Informationen oder Rezensionen, um sich ein Bild von dem zu machen, was einen erwartet. Aber genau das macht für mich irgendwie den Reiz des Festivals aus: sich unvoreingenommen auf eine Geschichte einzulassen, 90 Minuten lang Charakteren dabei zuzusehen, wie sie ihr Leben in den Griff bekommen oder eben nicht.

Über eine Kollegin, die Cinequest mitorganisiert, bekommen wir Freikarten für sämtliche Filme, die uns interessieren. Und so genießen Chris und ich das Filmfest in vollen Zügen; sehen uns fast jeden Abend einen Film an, am Wochenende gern auch mal drei am Tag. Ewig ist es her, als ich das letzte Mal mit einem Kaffee in der Hand um 11 Uhr morgens in einer Matinée-Vorstellung saß. Aber es ist toll!

Ich bin zugleich überrascht und begeistert von der Qualität vieler Produktionen. Die Geschichten sind anrührend, klug inszeniert und überzeugend gespielt. Nur einmal verlassen wir nach 40 Minuten das Kino, da uns der Film mit seiner betonten Bedeutungsschwangerschaft schwer nervt. Ironischerweise ist ausgerechnet dieser einer der wenigen amerikanischen Beiträge.

Hier zwei Filme, die mich besonders beeindruckt haben:

  • Till det som är vacker (Schweden 2010, R: Lisa Langseth)
    Eine 20-Jährige versucht, ihrem schwierigem sozialem Umfeld zu entfliehen. Einen Ausweg sieht sie in der Beziehung zu einem verheirateten Dirigenten. Doch die Freiheit birgt eine neue Abhängigkeit.
  • Limbo (Norwegen 2010, R: Maria Sødahl)
    Trinidad in den 70er Jahren. Sonia folgt ihrem Mann, einem Öl-Ingenieur, auf die Karibikinsel. Doch das Leben in der Expat-Gemeinschaft folgt eigenen Regeln. Das vermeintliche Paradies wird zur Hölle.

Post navigation

Leave a comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.