So, das musste jetzt mal in aller Deutlichkeit und in Großbuchstaben gesagt werden. Was mich in diesem Land nach wie vor schwer nervt – und ich glaube nicht, dass ich mich je daran gewöhnen werde – ist der pseudokorrekte öffentliche Umgang mit Sprache. Im Fernsehen und im Radio werden sämtliche Fucks ausgepiept oder weggeblendet. In den Printmedien wird das böse F-Wort, wenn es denn in einem Zitat auftaucht, typografisch verfremdet: F***, F**k, @$#*%!
Jeder weiß, dass hier geflucht wird. Jeder kennt das in Ungnade gefallene Wort. Außerdem bewirkt ein akustisches oder drucktechnisches Verschleiern das genaue Gegenteil: Durch den manipulativen Eingriff wird der natürliche Sprach- oder Lesefluss gestört und dem Ausgeblendeten besonderes Gewicht verliehen, was das Ganze ad absurdum führt.
Bei Kindersendungen ist es nachvollziehbar, dass ein gewisser sozialverträglicher Umgang vorgelebt werden soll. Aber für Erwachsene? Was für eine Bevormundung.
Seit den 30er-Jahren sorgt die Federal Communications Commission (FCC) unter anderem dafür, dass die Sprache jugendfrei bleibt. Und so ist die (Selbst-)Zensur als hirnrissiges Gegenstück zu der in der Verfassung festgeschriebenen freien Meinungsäußerung fester Bestandteil des amerikanischen Alltags geworden.
Was war es für ein Aufreger, als Melissa Leo bei der diesjährigen Oscarverleihung die Trophäe für die beste Nebendarstellerin in Empfang nehmen durfte und in ihrer Dankesrede vor lauter Freude überschwänglich ausrief: “When I watched Kate [Winslet] two years ago, it looked so fucking easy.” (Als ich Kate vor zwei Jahren dabei zusah, sah es so verdammt einfach aus.) Im Fernsehen wurde das Wort natürlich weggeblendet. Wie das geht? Ganz einfach: Selbst Live-Sendungen werden ein paar Sekunden zeitversetzt gesendet; für genau solche Fälle.
Frau Leo hat sich danach wortreich für ihren Faux Pas entschuldigt. Die Medien haben es dennoch genüsslich ausgeschlachtet. (Die erwähnte Kate Winslet bewies allerdings Humor, indem Sie ihrer Kollegin eine SMS schrieb: “Is that fucking you, Melissa? You motherfucking cow.”)
Besonders schlimm ist diese Heuchelei, wenn man sie in Bezug setzt zu dem, was sonst so im Fernsehen läuft: Da wir schon im Nachmittagsprogramm auf Dutzenden von Kanälen gedroht, geschlagen, gefoltert, verstümmelt und getötet. In Talkshows werden genüsslich vor breitem Publikum dysfunktionale Familien und Beziehungen seziert. Abendserien wie The Walking Dead bieten Zombie-Horror der härtesten Gangart. Gestorben wird zackig und schnell per Kopfschuss; dass bloß keinem auch nur ein F**k! entrinnt.