Gut, um das von vornherein klarzustellen: Der Titel ist denglisch. Cabrio oder Cabriolet sagt hier niemand. Auf Englisch heißt das convertible. Cabrio beschreibt das Fahrgefühl aber viel treffender, klingt mehr nach “mit offenem Verdeck den sonnigen Highway entlangkurven” als das englische convertible (umwandelbar). Wobei man fairerweise sagen muss, dass Cabriolet ein Lehnwort aus dem Französischen ist. Und das passt ja wieder gut zusammen mit Genuss.
In den Fahrgenuss mit offenem Verdeck kommen wir jetzt häufiger. Wir haben uns als Zweitwagen für Chris einen Mazda MX-5 zugelegt. Nur heißen die in den USA nicht MX-5, sondern Miata. keine Ahnung, wo das wieder herkommt; selbst Wikipedia hilft da nicht wirklich weiter. Die Online-Enzyklopädie behauptet, dass der Begriff Miata aus dem Althochdeutschen stamme und “Belohnung” bedeute… Daneben gibt es aber auch andere Theorien.
Letztlich ist der Miata aber tatsächlich eine Belohnung für zwei Wochen eisernes Suchen. Die letzten Wochenenden hat Chris zusammen mit unserem Bastlerfreund Rob auf der Straße verbracht. Mittlerweile kennt sie alle Autohändler von San Francisco bis Santa Cruz beim Namen, kennt sich bestens aus mit den verschiedenen Baureihen und weiß genau, wo sich beim Miata der Schimmel versteckt. Außerdem hat sie die Tricks der Verkäufer gelernt.
Ohne Robs Hilfe wären wir sicher über den Tisch gezogen worden und hätten eine überteuerte, auf Hochglanz polierte Nuckelpinne geschossen. Denn die Autohändler hier sind schlimmer als ihr Ruf. Und der ist im tiefsten, dunklen Keller. Kurz vor Vertragsabschluss wird Chris sogar angeboten, den Deal unterm Tisch abzuwickeln, um die Steuern zu sparen. Da ist die Gute dann ausgerastet; kräftig geigt sie dem Verkäufer die Meinung. Das muss Eindruck hinterlassen haben – kurze Zeit später biegt sie in einem schicken silbernen Roadster in unsere Auffahrt ein.
Am nächsten Tag unterziehen wir den Miata einen Stresstest. Kaiserwetter, 23 Grad Celsius. Sonnenbrillen auf, das Verdeck umgeklappt und auf in die Santa Cruz Mountains. Muses Knights of Cydonia bietet den perfekten Soundtrack für unsere Spritztour. Wir schlängeln uns in die Berge bis zum Skyline Boulevard – und stellen erschreckt fest, dass der Tank fast leer ist. Schön blöd, ausgerechnet auf der Jungfernfahrt liegenzubleiben. Zum Glück gibt es in der Nähe einen Biker-Treffpunkt mit Tankstelle.
Dann weiter den Bergrücken entlang. Es sind Momente wie diese, in denen sich das kalifornische Lebensgefühl in seiner ganzen Fülle offenbart, das Herz vor Freude hüpft und wir uns freuen, hier sein zu dürfen.

