Chris und ich nutzen das lange Thanksgiving-Wochenende Ende November für einen Kurztrip nach Cayucos, einem kleinen, verschlafenen Küstenort auf halber Strecke nach L.A. Unsere Freunde Lutz und Heinz-Dieter haben dort ein Haus gemietet und uns eingeladen. Eine weitere Freundin der beiden, Lorna, stößt von Los Angeles aus dazu. Wir haben Glück und geraten nicht in den Reiseverkehr. Nach drei Stunden entspannter Fahrt sind wir am Ziel.
“Entspannt” ist auch das Wort, das am besten das ganze Wochenende beschreibt: nach einem Strandspaziergang in der Abendsonne, verwöhnt uns Heinz-Dieter mit einem vorzüglichen, mehrgängigen, Thanksgiving-Dinner (truthahnlos), bevor wir den Abend bei einigen Flaschen Cabernet Sauvignon und anregenden Gesprächen über Heidi Klum und andere B- und C-Promis vor dem Kamin ausklingen lassen.
Ausschlafen! Nach einem ausgedehnten Frühstück unternehmen wir eine Wanderung zum Gipfel des Cerro Alto, dem mit 800 Metern höchsten Punkt der Gegend. Ein herrlicher Rundumblick belohnt den nicht ganz unanstrengenden Aufstieg. Danach Kontrastprogramm im Studentenstädtchen San Louis Obispo: zunächst Heimatgefühle im Kreuzberg CA, einem Coffee Shop mit Berlin-Thema, dann Bier und 80’s-Hair-Metal (ja, genau: Twisted Sisters, Poison, Mötley Crüe…) im Buffalo Pub und Biokost im Big Sky Cafe.
Dem Nieselregen am folgenden Tag begegnen wir gelassen, indem wir das Frühstück bis in den Nachmittag ausdehnen. Danach fahren Chris und ich nach Pismo Beach, etwa 30 Meilen südlich von Cayucos. Vor 20 Jahren hatte ich hier für ein paar Tage gewohnt. Und zufällig habe ich vor einigen Wochen die Visitenkart meines Gastgebers Tim Robacker wiedergefunden. Warum nicht kurz auf eine Stippvisite vorbeischauen?
Bis auf die Seebrücke erkenne ich nichts wieder. Und das liegt nicht am mittlerweile dichten Regen. Mit seinen vielen schrabbeligen Restaurants und Bars erinnert der Ort heute ein wenig an El Arenal auf Mallorca. Tim erreiche ich auch nicht, die auf der Visitenkarte angegebene Nummer ist nicht mehr erreichbar. Schade, aber was hatte ich auch erwartet?
Den letzten Tag unternehmen wir einen Abstecher zur Seeelefantenkolonie bei San Simeon. Die Paarungszeit hat begonnen und der Strand ist dicht gepackt mit den Riesenrobben. Die meisten von ihnen dösen faul in der Sonne, grunzen zufrieden und kratzen sich dann und wann den dicken Leib. Vereinzelt messen ein paar Jungtiere ihre Kräfte, indem sie sich böse anrülpsen und ihre massigen, plumpen Körper gegeneinanderwerfen. Schon wieder drängt sich mir ein Bild von Mallorca auf.
Auf dem Rückweg nach Mountain View fällt mir auf, dass ich meinen Laptop in den vier Tagen nicht ein einziges Mal aufgeklappt habe. Dafür habe ich endlich mal wieder richtig durchgeatmet und mich gut erholt. Die kommende Woche gehe ich entspannt an. Na bitte, geht doch.






