Hotel California: Checking out

Tiefster Punkt der westlichen Welt: Doris und Harry 86 Meter unter dem Meeresspiegel

Last thing I remember, I was running for the door
I had to find the passage back to the place I was before
“Relax,” said the night man, “We’re programmed to receive
You can check out any time you like, but you can never leave”

Ab in die Wüste

Tapetenwechsel. Nach drei Tagen hektischer Großstadt heißt es, ab in die Wüste; zunächst in den Joshua-Tree-Nationalpark. Wir sind ganz und gar auf Wüstenhitze eingestellt und müssen erstaunt feststellen, dass es nicht nur extrem winding, sondern auch extrem kalt ist. Doch das tut der Schönheit des Parks mit seinen stacheligen, namengebenden Bäumen und den bizarren Gesteinsformationen keinen Abbruch.

Morgens und abends genießen wir die heißen Mineralpools im paradiesischem Hope Spring Resorts in der Nähe von Palm Springs. Was gibt es schöneres, als sich im warmen Whirlpool zu entspannen, an einem Glas Chardonnay zu nippen, in den sternenklaren Nachthimmel zu schauen und die Gedanken schweifen zu lassen? Eben.

Weiter geht’s Richtung Death Valley, ins Tal der Extreme. Hier findet man den tiefsten, heißesten und trockenste Ort Nordamerikas. Die Tagestemperatur kann selbst im Oktober noch 40 Grad Celsius überschreiten. Doch wir haben Glück: Das Klima ist erstaunlich mild; um die 30 Grad mit einer leichten Brise.

König der Welt: Andreas ganz obenWir hatten erwartet, durch eine Sandwüste zu fahren und sind erstaunt über die landschaftliche Vielfalt des Death Valley. Während man vom 1700 Meter hoch gelegenem Dante’s View einen atemberaubenden Ausblick über das Tal genießt, spaziert man keine halbe Stunde später über den Salzboden des so genannten Badwater. Kaum zu glauben, dass wir uns 86 Meter unter dem Meeresspiegel befinden, dem tiefsten Punkt der westlichen Hemisphäre.

Am Zabriski Point überblickt man faszinierende Formationen aus Sand und Stein in unterschiedlichsten Schattierungen. Das Spiel von Licht und Schatten verstärkt den Effekt. Wie herrlich muss es hier im frühen Morgenlicht sein, wenn die Sonnenstrahlen flach auf die Steine treffen?

Noch beeindruckender ist das Farbenspiel am Artist Palette. Was für ein treffender Name: Die Gesteinsformation strahlt in den verschiedensten Abstufungen von Rot-, Braun- und Grüntönen; wie von einem Künstler angemischt. Wie wir aus dem Informationsblatt erfahren, liegt dies an der Oxidation verschiedener Metalle wie Eisen oder Kupfer, die in den Felsen vorkommen.

Ein weiterer Höhepunkte im Death Valley ist der Golden Canyon. Wir unternehmen eine kurze Wanderung in den engen Canyon hinein und sind alsbald umgeben von zerklüfteten Felsen. Hinter jeder Wegbiegung entfaltet sich ein neues, faszinierendes Panorma. Das leuchtende Orange, Gold und Rot des Sandsteins hebt sich klar gegen den strahlend blauen Himmel ab; keiner von uns kann sich der Magie dieses Farbspiels entziehen.

Nach einer Fahrstunde Richtung Norden entdecken wir sie dann doch noch, die Sandwüste. Gefangen zwischen den Bergen, breitet sich vor uns eine Dünenlanschaft aus, die Mesquite Sand Dunes. Sie haben bereits als Kulisse für den Wüstenplaneten Tatooine in Krieg der Sterne gedient. Tusken-Räuber oder Bantas sehen wir nicht; nur ein paar Jawas am Straßenrand, die uns Weltraumschrott und Autoersatzteile andrehen wollen. Wir ignorieren sie. Und genießen stattdessen einen grandiosen Sonnenuntergang zum Abschluss eines grandiosen Tages.

Interessanterweise finden sich auch einige Militärstützpunkte samt Landebahnen in der abgeschiedenen Peripherie des Death Valley. Nach einer Übernachtung in Ridgecrest, geht es über den gesichtslosen Ort Bakersfield — immerhin eine der größten Städte Kaliforniens und einstmals ein wichtiges Zentrum der Country-Musik— zurück nach Mountain View. Und wieder einmal zeigt sich, wie weit die Entfernungen hier sind: wir benötigen fast acht Stunden, bis wir schließlich erschöpft zu Hause ankommen.

Filmtipps für die Sofareise

  • Twentynine Palms (Yoshua-Tree-Nationalpark)
    Ein Fotograf und seine Freundin verlieren sich in der Wüste. Existentialischer Filmessay mit starken, zum Teil schockierenden Bildern
  • Zabriski Point (Death Valley)
    Filmklassiker von Michelangelo Antonioni zur Zeit der Studentenunruhen. Nach dem Mord an einem Polizisten flieht ein Pärchen ins Death Valley.

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