Auf dem Rückweg von der Galerie zum Hotel fegt uns fast ein Streifenwagen zur Seite, der mit Vollgas durch den Verkehr schießt. Blaulicht, Sirene – das volle Programm. Wir schauen uns verdutzt an: Wow, was war das denn gerade?
Doch uns bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken. Ein zweiter Streifenwagen folgt dem ersten. Dann ein dritter, ein vierter. Dazwischen ein Rettungswagen. Von allen Seiten kommen sie, biegen in die J Street ein. Wir zählen sieben, acht Streifenwagen. Sofort ist die Straße abgeriegelt, der Verkehr wir umgeleitet. Warnlichter tauchen die Nacht in ein hektisches Weiß-Blau-Orange. Dann hören wir, wie sich Hubschrauber nähern, über uns kreisen, sehen, wie sie mit ihren Suchscheinwerfern die Gegend abtasten.
Am Nachmittag hatten wir uns noch über unser Zimmer im Hyatt gefreut: 12. Stock mit Blick auf das State Capitol nebenan. Nun wird uns ein wenig mulmig: Gab es einen Anschlag? Oder sind wir hysterisch wegen des bedeutungsschwangeren Datums?
Wir parken den Wagen, hasten durch die Lobby, nehmen den Aufzug zum Zimmer, reißen die Vorhänge zur Seite – nichts. Das angestrahlte Capitol leuchtet in herrlichem Weiß.
Am nächsten Morgen erfahren wir aus der Zeitung, dass es in der Nacht tatsächlich eine Tragödie gab. Nur wenige Blocks vom Hotel entfernt kam es zu einer Schießerei, bei der eine Person getötet und drei weitere verwundet wurden.
