The Banks of Sacramento

Arnis Butze: Mal schauen, was hier los ist

Arnis Butze: Mal schauen, was hier los ist

Schon merkwürdig, dass mir jedesmal dieser Shanty durch den Kopf geht, wenn ich den Namen der Hauptstadt Kaliforniens höre – Sacramento. Oder schlicht “Sac”, wie die hippen Bewohner Sacramentos sagen.

Sacramento liegt knapp 200 km nordöstlich von Mountain View und kaum jemand, den ich kenne, hat die Stadt je besichtigt. “Langweilig,” hört man dann als Begründung, “Nichts los!” oder “Was soll ich da?”

Nun, sich zum Beispiel die dortige Galerie- und Kunstszene ansehen. Die Skinner-Howard-Galerie ist auf Chris aufmerksam geworden und ist auf sie zugekommen. Gern würden Sie Chris persönlich kennenlernen und eine Ausstellung mit ihr planen. Allemal ein Grund, für ein Wochende nach Sacramento zu fahren.

Wir quartieren uns ein im historischen Citizen-Hotel, im Herzen der Stadt. Ein Blick aus dem Zimmer vermittelt einen ersten Eindruck: ganz schön grün hier. Überall schmücken Bäume das Straßenbild, anders als in San Francisco oder Los Angeles.

Unser zweiter Eindruck: ganz schön heiß hier. Da sich Sacramento im Landesinneren befindet, liegen die Temperaturen deutlich über denen der Bay Area (von San Francisco ganz zu schweigen). Doch es ist eine trockene Hitze, die sich gut aushalten lässt.

Und unser dritter Eindruck: nichts los hier. Die Stadt wirkt wie verlassen; menschenleer geradezu. Ungewöhnlich für einen Samstagvormittag.

Wir fragen uns, wo denn die 500.000 Einwohner geblieben sind? Ich kann mir gut vorstellen, dass einige zum nahegelegenen Lake Tahoe gefahren sind. Und sicher sind viele der Abgeordneten übers Wochenende nach Hause geflogen ist. Kennt man schließlich von zu Hause mit all den Berufspendlern zwischen Berlin und Bonn. Aber der Rest?

Wir bummeln zu Fuß durch die Stadt, erkunden die trendige Midtown und besuchen die eine oder andere Galerie. Wir sind angenehm überrascht, dass es hier künstlerisch zum Teil deutlich progressiver zugeht als in San Francisco. Die Skinner-Howard-Galerie im ehemals industriellen Teil der Stadt war einst eine Lagerhalle. Backstein und Stahl bilden einen großartigen  Rahmen für die ausgestellten modernen Exponate, und ich freue mich jetzt schon darauf, Chris Werke in diesem Ambiente präsentiert zu sehen.

Tower Bridge über den Sacramento RiverOld Sacramento am Fuße des Sacramento River hingegen wirkt wie ein Themenpark, Schaufelraddampfer inklusive. Die aufpolierte, unter Denkmalschutz gestellte Westernstadt zeigt, wie es hier ausgesehen haben mag zur Goldgräberzeit Mitte des 19. Jahrhunderts. Charmant, allerdings ganz und gar auf das Touristengeschäft getrimmt.

Und dann verweilen wir ein wenig an den legendären Banks of Sacramento – der Böschung des Sacramento-Flusses –, folgen mit entspanntem Blick dem dahinfließendem Wasser, genießen die warme Temperatur und lassen uns davon verzaubern, dass die Abendsonne die Tower Bridge in ein sattes Gold taucht.

Ein Besuch Sacramentos wäre natürlich nicht komplett ohne einen Besuch des State Capitol. Auch der kalifornische Regierungssitz ist architektonisch dem Kapitol in Washington D.C. nachempfunden, nur halt eine Spur kleiner. Die schneeweiße Fassade des neoklassizistische Gebäudes strahlt durchaus eine gewisse Eleganz und eine angemessene Grandeur aus.

Das Innere kann da nicht mithalten. Immerhin kann sich jeder frei bewegen, was mich ein wenig verwundert nach all der 9/11-Hysterie. Und wir sind gut am Lachen, als Chris und ich im dritten Stock aus dem Fahrstuhl steigen und fesstellen, dass wir im Kopiererraum gelandet sind. Aber irgendwo müssen die Geräte schließlich stehen.

Und, nein, Arnold haben wir nicht gesehen.

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