Ausflug zum Devils Tower im westlichen Nachbarstaat Wyoming, dem bevölkerungsärmsten Staat der USA. Etwas über eine halbe Million Menschen – das entspricht in etwas der Einwohnerzahl Hannovers – leben auf einer Fläche, die so groß ist wie Großbritannien. Also nicht allzu viel los auf den Straßen hier. Dafür umso mehr Weideland. Saftiges grünes Gras soweit das Auge reicht. ZZ Tops La Grange gäbe den perfekten Soundtrack ab. Leider haben wir die CD nicht dabei.
Nach 2 Stunden Fahrt entdecken wir ihn in der Ferne, den mythischen Berg der Indianer. Wie ein Zylinder ragt die vulkanische Gesteinsformation 265 Meter in den Himmel.
Von Bären und Kletterern…
Einer Kiowa-Legende nach wuchs der Fels in den Himmel, um sieben Indianermädchen Schutz vor einem angreifenden Bären zu bieten. Der Bär versuchte den Felsen zu erklimmen, kratze dabei tiefe Rillen und Spalten in den Stein, konnte die Mädchen jedoch nicht erreichen.
Seither wird der Fels von den Indianern verehrt. Rund um ihn herum finden sich in den Bäumen und Büschen bunte Stoffbahnen zum Zeichen der Ehrerbietung.
Heutzutage klettern keine Bären mehr am Devils Tower. Dafür rackern sich Sportkletterer ab, die mehr oder minder senkrechte Wand zu bezwingen. Wir fragen uns, wie das zusammengeht: sportlicher Eifer und heiliger Berg.
Eine Schautafel gibt die Antwort: Sportklettern wird vom Staat Wyoming als ernstzunehmende Freizeitaktivität anerkannt. Gleichzeitig respektiert man den Fels als indianisches Heiligtum. Es wird daher empfohlen, die Kletteraktivitäten im Juni zur Zeit der religiösen Zeremonien einzustellen. Da fehlen einem glatt die Worte. Man stelle sich einmal vor, wie Freikletterer die Sankt-Peters-Kathedrale in Rom erklimmen. Aber bitte nicht während des Urbi et Orbi. Nur so ein Gedanke…
… Außerirdischen…
Immer wieder gab es Meldungen über sonderbare Himmelsphänomene im Umfeld des Devils Tower, auch von der Sichtung Außerirdischer war die Rede. Aber erst 1977 hat Steven Spielberg das in seinem esotherischen Alien-Spektakel Unheimliche Begegnung der Dritten Art ein für alle Mal klargestellt – wir sind nicht allein.
… gelangweilten Cops…
Zurück in South Dakota. Nachdem Chris und ich überraschend gut in Rapid City diniert haben, machen wir uns auf den Rückweg zum Coyote Blues Village Bed and Breakfast. Es ist schon spät, und der Weg ist weit. Wir schalten auf Autopilot und lassen uns von unserem Navigationssystem leiten.
Ein Fehler: Meile um Meile geht es plötzlich über holprige Schotterpisten durch stockdunkle Wälder. Kein Auto, keine Menschenseele. Ab und zu verirren sich ein paar große Insekten in die Lichtkegel der Scheinwerfer, um dann gegen den Kühlergrill zu prallen. Zum Glück kein Reh oder Bär. Nach einer gefühlten Ewigkeit gelangen wir endlich zur Hauptstraße. Erleichtert, endlich wieder soliden Asphalt unter den Reifen zu haben, biege ich auf die verlassene Straße ein.
Auf einmal explodiert hinter mir der Wald in einem rot-weiß-blauem Feuerwerk. 4th of July? UFOs (s.o.)? Keine Aliens, und doch eine unheimliche Begegnung der Dritten Art – Polizei. Wo kommt der denn auf einmal her? Ich fahre rechts ran, surre das Fenster herunter, stelle den Motor ab und behalte die Hände, wie gelernt, gut sichtbar am Steuerrad. Bloß keine Schießerei provozieren.
Der Officer, ein ganz junger Kerl, schreitet festen Schritts zu uns herüber und beugt sich ins offene Fenster: “Führerschein und Papiere, bitte.” Ich gebe sie ihm. Ob ich wüsste, warum er uns angehalten hätte? Keine Ahnung. Zu schnell gefahren bin ich diesmal ganz sicher nicht. Wie denn auch, auf so einer Schotterpiste? Ist irgendwas mit den Rücklichtern?
Ihm wäre aufgefallen, dass ich bei der Auffahrt auf die Hauptstraße nicht, wie es das Stoppschild vorschreibt, zu einem kompletten Stopp gekommen sei. Es kostet mich einige Mühe, mir hierauf einen Kommentar zu verkneifen. Wie gesagt, bloß keine Schießerei provozieren. Ich danke ihm freundlich für den Hinweis, verspreche, in Zukunft bei Stoppschildern komplett anzuhalten, und er lässt uns mit einer mündlichen Verwarnung von dannen ziehen.
… und Präriehunden
Bevor es zurückgeht nach San Francisco, unternehmen Chris und ich noch einen Abstecher in den Badlands-Nationalpark im Südenwesten South Dakotas. Von einem Meter auf den anderen ändert sich die Landschaft radikal, und die saftige grüne Präriewiesen fallen ab zu einer verwitterten, kargen Gesteinslandschaft, die Badlands. Der Name ist Programm: Hier wächst nichts mehr.
Neben einigen vereinzelten Bisonherden treffen wir vor allem auf Hunderte von Präriehunden. So süß die pfiffigen Kerlchen auch sind, so scheu sind sie. Kaum nähern wir uns ihnen auf 10 Meter, sind sie auch schon in ihren Erdlöchern verschwunden.
