A Trip to South Dakota (1)

Fab Four: George, Thomas, Theo und Abe

Fab Four: George, Thomas, Theo und Abe

Präsidenten, Westernlegenden, Aliens – es ist schon eine eigenwillige Melange, die uns hier begegnet im mittleren Westen der USA.

Eigentlich wollten Chris und ich lediglich dem präsidialen Quartett des Mount Rushmore in South Dakota einen Besuch abstatten, auf den Spuren von Cary Grant und Eva Marie Saint in Hitchcocks Der unsichtbare Dritte. Doch dann erleben wir ein Amerika, das ganz und gar anders ist als Kalifornien.

Schwarzwald-Flair und tote Cowboys

Das geht schon los als wir online nach einer netten Unterkunft suchen. Das Coyote Blues Village Bed and Breakfast bietet alles, was das Herz des Kurzurlaubers begehrt: Ruhe, Natur, einen privaten Whirlpool und eine Schweizer Flagge über der Eingangstür. Eine Schweizer Flagge? Der Akzent am Telefon bestätigt es es: Christine und Hanspeter haben rübergemacht, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Doch was verschlägt einen Schweizer nach South Dakota?

Schon bald, nachdem wir auf dem kleinen Flughafen von Rapid City gelandet sind, dämmert es uns. Wir fahren durch die Black Hills, die nicht nur dem Namen nach an den Black Forrest, den Schwarzwald, erinnert. Oder an das Alpenvorland. Die Vegetation, die Farben, der Geruch – alles sehr vertraut. Fast wie zu Hause; bis auf die englischsprachigen Verkehrschilder und die freilaufenden Bisons. So verwundert es wenig, dass man auf viele deutsche, österreichische oder Schweizer Namen stößt.

Aber auch auf Namen von Revolverhelden, die ich bisher nur aus Lucky-Luke-Heften kannte: Wild Bill Hickock und Calamity Jane. Ja, die hat es tatsächlich gegeben. Und in dem Örtchen Deadwood sind sie beigesetzt. Einst ein prosperierende Goldgräberstädtchen, zehrt Deadwood heute vom Glücksspiel und von seinen Legenden. Auf dem Mount-Moriah-Friedhof liegen dreimal so viele Tote wie in dem Ort heutzutage leben. Eine Geisterstadt? Nicht ganz. Doch kein Zweifel, die goldenen Zeiten sind vorbei.

Für die Lakota-Indianer sind diese Zeiten seit fast 150 Jahren vorbei. Denn South Dakota war 1890 Schauplatz des Genozid der US-Armee an den Lakota, eingegangen in die US-amerikanische Geschichte als Massaker bei Wounded Knee.

Die indianische Kultur ist weiterhin präsent – und wird kommerziell ausgeschlachtet. An jeder Ecke finden sich Läden, in denen indianischer Schmuck, Kunsthandwerk oder traditionelle Kleidung angeboten werden. Dass es zumeist Weiße sind, die damit an der indianischen Tradition verdienen, scheint mir ein Hohn. Oder übersehe ich hier etwas?

Großprojekt Crazy Horse

Crazy Horse

Native Americans, wie die Indianer politisch korrekt genannt werden, stellen die ärmste ethnische Gruppe der USA dar. Die meisten von ihnen leben nach wie vor in Reservaten. In der Sozialstatistik rangieren Native Americans am untersten Ende: weit verbreiteter Alkoholismus, die höchste Schwangerschafts- und Selbstmordrate unter Teenagern, mehr als 50% Schulabbrecher, das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen und eine Arbeitslosenquote zwischen 50% und 90%.

Da kann man gut nachvollziehen, dass es wichtig ist, eine stolze Vision zu haben und ein Zeichen zu setzen, um der Verzweiflung etwas entgegenzusetzen, um an die indianische Tradition und Geschichte zu erinnern und daran anzuknüpfen. Mit dem Crazy Horse Memorial soll solch ein Denkmal geschaffen werden.

Das Megaprojekt soll nicht nur die weltgrößte je in einen Berg gehauene Skulptur hervorbringen, gegen die sich die vier Präsidenten des Mount Rushmore winzig ausnehmen. Auch ein großflächig angelegtes Kulturzentrum mit eigener Universität und medizinischer Fakultät sollen Crazy Horse zu einer zentralen Stätte indianischen Lebens in den USA machen.

1948 wurde das Projekt begonnen. In den mehr als 60 Jahren darauf wurde der 27 Meter hohe Kopf des Crazy Horse fertiggestellt. Da es ausschließlich aus privaten Spendengeldern finaniziert wird, ist nicht abzusehen, wann dieses gigantomanische Projekt je zum Abschluss gebracht wird. Ich rechne nicht damit, es noch zu erleben.

Pilgerfahrt zum Mount Rushmore

Mt. Rushmore: wie man Touristen ködert

Denn schon die in Granit gehauenen Präsidenten des nur wenige Kilometer entfernten Mount Rushmore wurden nicht wie geplant vollendet. Der ursprüngliche Entwurf von Bildhauer Gutzon Borglum sah vor, George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln bis zur Hüfte abzubilden. Nach 14 Jahren, mit Borglums Tod war allerdings Schluss: Die Gelder, die vom Staat und von privaten Investoren bereitgestellt wurden, waren aufgebraucht, und das Projekt wurde 1941 für beendet erklärt.

Doch wie um alles in der Welt kommt man überhaupt auf die Idee, 18 Meter hohe Konterfeits der seinerzeit bedeutendsten Präsidenten der USA in einen Berg zu schlagen? Die Antwort ist so banal wie genial: lokales Marketing. Das Projekt Mount Rushmore hat von Anbeginn darauf abgezielt, Touristen in diesen ansonsten eher unspektakulären Winkel der USA zu locken. Mit Erfolg – noch immer statten gut 2 Millionen Touristen im Jahr den steinernen Fab Four einen Besuch ab.

  One thought on “A Trip to South Dakota (1)

  1. Andreas's avatar
    Andreas
    28. June 2010 at 20:52

    Hallo Meike,

    freut uns, dass dir unsere Randnotizen gefallen. Wir werden auf jeden Fall weitermachen, dieses großartige und doch so widersprüchliche Land zu erkunden. Zu entdecken gibt es genug.

    Liebe Grüße an Uli und die Prinzessinnen,
    Andi + Chris

  2. meike's avatar
    meike
    27. June 2010 at 11:17

    Das ist so cool!
    Ich bin sehr glücklich, dass ihr das alles auskundschaftet, und eines Tages werde ich kommen und auch das Grab von Calamity Jane und die Spuren von Crazy Horse sehen!
    Bitte reist weiter und schreibt vor allem weiter so spannend!

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