Dies ist mein vierter Trip nach Salt Lake City, Utah. Salt Lake City, Oder SLC, wie die Leute auch sagen, ist eine dieser typischen amerikanischen Großstädte: profillos, architektonisch uninteressant, angelegt in einem Schachbrettmuster. Und Hauptsitz der Church of Jesus Christ of Latter-day Saints. Besser bekannt als Mormonen. (Eine sehr spezielle Religion. Ich werde hierzu mal einen separaten Artikel schreiben.)
Genauer gesagt führt mich mein Trip nach Draper, einem seelenlosen Kaff, rund 20 Meilen südlich von SLC. eBay hat hier sein Kundenservicecenter für Nordamerika. Direkt daneben spült der 10-spurige Interstate 15 den Verkehr nach Las Vegas oder San Diego.
Mainstream America: Alles was es gibt, sind ewiggleiche Strip Malls, Parkplätze groß wie Fußballfelder, langweilige, austauschbare Tagungshotels und Bürogebäude, die üblichen Fast-Food-Ketten und einen quietschbunten Wasserpark, der hier irgendwie deplatziert wirkt. Also nichts, worüber es zu schreiben lohnt. Wäre da nicht die eindrucksvolle Bergkulisse der Wasatch Mountains.
Die Wasatch Mountains sind ein Ausläufer der Rocky Mountains. Schon beim Anflug auf Salt Lake City kommt man beim Anblick der schneebedeckten Gebirgskette ins Schwärmen. Ein Paradies für Skifahrer und Snowboarder. Leider zähle ich zu keiner Gruppe, hätte aber nicht schlecht Lust, einen Auffrischungskurs zu belegen.
Mir wird bewusst, dass ich seit meiner Reise nach Nepal nicht mehr in den Bergen war. Das ist mittlerweile fast zehn Jahr her. Höchste Zeit, sich mal wieder der Erhabenheit der Gipfel auszusetzen. Und so fahre ich nach Dienstschluss statt ins Hotel in die Wasatch Mountains. Mal schauen, wie weit ich ohne Schneeketten komme.
Keine 20 Minuten und ich erreiche die Zufahrt zum Pass. Die Straße ist geräumt, und ich kann problemlos weiterfahren. Ich begegne kaum einem anderen Fahrzeug, als ich mich zwischen den kargen Dreitausendern entlangschlängele. Eine Viertelstunde später halte ich auf dem Seitenstreifen an, schalte den Motor aus und steige aus. Ich genieße die Stille, die knackig-frische Luft und den majestätischen Anblick der Berge.
Allmählich beginnt die Dämmerung, dunkle Wolken schieben sich zwischen die Gipfel und den Himmel. Außerdem wird mir langsam kalt. Hemd und Sakko sind halt doch kein adäquates Outdoor-Outfit. Zeit umzukehren.
Ich fahre zum State Capitol, dem Regierungssitz Utahs, nach Salt Lake City. Das beeindruckende neoklassizistische Gebäude liegt auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Kein Zweifel, dass es an das Kapitol in Washington erinnern soll. Für einen Staat wie Utah, mit nicht einmal 3 Millionen Einwohnern, kommt es mir allerdings ein wenig überdimensioniert vor.
Von hier aus hat man einen grandiosen Blick auf Salt Lake City und die umliegenden Gemeinden. Lichter sprenkeln die Dunkelheit, und im Hintergrund erhebt sich schwer die mächtige Kulisse der Wasatch Mountains.
Gebannt schaue ich in die Ferne, genieße den stimmungsvollen Moment. Und mir wird bewusst, dass ich meine Meinung über Salt Lake City und Utah dringend revidieren muss. Leben wollte ich hier nicht, doch der Staat hat durchaus seine Reize.

Moinsen Ihr Beiden,
erstmal Dir, Chris, herzlichen Glückwunsch zur GreenCard und Dir lieber Andreas nochmal alles Gute nachträglich zum gestrigen Geburstag. Ich hoffe, Ihr habt Spaß bei Bay to Breakers, falls Dir die Nadel keinen Strich mehr durch den Fuß bzw. die Rechnung macht, Andi. Begeistert war ich wieder mal über Deinen Reisebericht aus Utah und SLC, sehr stimmungsvoll. Und irgendwie hört sich Euer Leben in den USA immer nach Urlaub an. Oder liegt das daran, daß ich hier einfach schon alles kenne. Soll ich auch mal Reiseberichte über Meldorf, Glücksburg, Fehmarn, Ahrensburg, Hamburg, Stade, Juist und Harz schreiben, aus mir herauschlüpfen und schauen, wie es sich anfühlt? Aber mal ehrlich – über ein Jahr ist es bereist her, aber neu doch auch noch, oder?
Bis bald und viel Spaß mit den LGern !!!
Gerrit