
Happy Holidays, Joyeux Noël, Merry Christmas, Frohe Weihnachten, Auguri di buon Natale, Prettige Kerstdagen, Feliz Navidad, Wesołych Świąt
Frohe Weihnachten aus Kalifornien! Chris und ich wünschen euch eine schöne Zeit mit Familie und Freuden.
Ja, Weihnachten in der Diaspora ist schon ein wenig anders. Und das liegt nicht nur an den milden Temperaturen zwischen 14 und 20 Grad Celsius, die kein wirkliches Festtagsgefühl aufkommen lassen.
Weihnachten, politisch korrekt
Weihnachten an sich hat hier nicht den Stellenwert, den das Fest in Europa oder an der Ostküste der USA hat. Was nicht wirklich verwundert, da es gerade in der Bay Area eine riesige asiatische Gemeinde gibt. Und die Mehrzahl der Inder, Chinesen und Vietnamesen feiert halt kein Weihnachten.
Deswegen hört man auch kaum noch ein Merry Christmas. Stattdessen heißt es allenthalben Happy Holidys, schöne Feiertage. Das ist neutral und unverfänglich. Denn man möchte schließlich niemandem auf die Füße treten, der buddhistischen, hinduistischen, islamischen, jüdischen Glaubens oder Atheist ist.
Besonders als Unternehmen baut man so politisch korrekt der potentiellen Klage eines Andersgläubigen vor, man wolle ihm oder ihr durch ein den Weihnachtswunsch Merry Christmas! die christliche Religion aufzwingen. Soll es tatsächlich gegeben haben…
Da mutet es geradezu wie Realsatire an, dass viele meiner indischen und chinesischen Kollegen sehr wohl einen Weihnachtsbaum zu Hause aufstellen und am ersten Weihnachtstag Socken vor den Kamin hängen – damit die Kinder ihren Spaß haben.
Ach ja, und dann sind da natürlich unsere mexikanischen Freunde, die ihre Häuser über und über dekorieren mit blinkenden Lichtern, Rentieren, Schnee- und Weihnachtsmännern. Schon lustig, abends durch die Siedlung zu fahren. Man sieht sofort, wo lateinamerikanische Nachbarn wohnen. Wenigstens sie meinen es ernst mit dem Weihnachtsfest.
Wir ziehen das durch!
Es wird also gefeiert und geschenkt. Dementsprechend gibt es in den Shopping-Centern einen bunt geschmückten Quotenweihnachtsbaum (der aber durchaus schon mal ein Redwood Tree sein kann) und eine Gelegenheit für die lieben Kleinen, sich zusammen mit Santa Claus fotografieren zu lassen. Doch die wenigsten Läden und Geschäfte sind weihnachtlich dekoriert. Abgesehen natürlich von den den omnipräsenten Holiday-Sale!-Ankündigungen. So richtig in Weihnachsstimmung kommt man da nicht.
Man mag es kaum glauben, doch in San Jose, im Herzen des Silicon Valley, gibt es so etwas wie einen Weihnachtsmarkt. Christmas in the Park nennt sich die Veranstaltung. Hunderte von echten(!) Tannenbäumen werden von Kindergarten- und Grundschulklasse, Pfandfindergruppen und sonstigen christlichen und anderen Organisationen geschmückt.
Eingerahmt wird das Ganze von Karussells, Motivgruppen, Bühnen und Süßwarenständen. Alles in allem ist das ganz nett, auch wenn wir statt Glühwein mit heißem Appel Cider und statt gebrannter Mandeln mit Churros vorlieb nehmen müssen. Und was da aussieht wie Schnee, ist weißer Filz. Immerhin.
Bevor wir jetzt in Weihnachtsmelancholie versinken, treten wir die Flucht nach vorn an und beschließen: Wir ziehen das durch!
1. Ein Weihnachtsbaum muss her
Grundsätzlich gar kein Problem. Es gibt hier tatsächlich eine kleine Weihnachtsbaumindustrie, und man findet Bäume in sämtlichen Arten, Größen und Preisklassen. Nur sind sie fast alle in Form geschnitten. Der typische US-Tannenbaum gleicht einem sauber getrimmten Kegel, während der klassische europäische Weihnachtsbaum natürlich gewachsen daherkommt. Wir haben aber einen “richtigen” Tannenbaum gefunden.
2. Weihnachtsschmuck muss her
Ganz einfach: ab zu Walgreens und 200 LED-Kerzen gekauft. Passt. Die Weihnachtskugeln hatte unser Umzugsunternehmen in Berlin eingepackt, ehe wir es verhindern konnten. Eigentlich sollten sie gar nicht mit, jetzt freuen wir uns darüber.
3. Glühwein und Stollen müssen her
Von wegen Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Versuch mal, Glühwein aufzutreiben. Keine Chance. Deutscher Feinkostladen? Fehlanzeige (na, immerhin Stollen und Kartoffelknödel.) Getränkefachmarkt? Nix da. World Market? Mh-hm. Dann der rettende Gedanke: Ikea. In einer durch und durch globalisierten Welt, sollte wenigstens Ikea eine sichere Bank sein, was die Glühweinbeschaffung angeht. Und in der Tat: Neben Pølser und Krusbols, bietet Ikea Glögg an. In der alkoholfreien Fassung natürlich, da das Unternehmen keine Lizenz zum Alkoholausschank hat… Versetzt mit einem kalifonischen Merlot wird allerdings ein passabler Glühwein draus.
Letztlich hat alles wunderbar geklappt: Chris und ich haben gut gekocht und gegessen, dann Geschenke unterm Weihnachtsbaum ausgepackt und bis spät in die Nacht Champagner getrunken. Merry Christmas!



Weihnachten ist jetzt ja vorüber, deshalb: Wünsche Euch ein schönes neues Jahr 2010.
Übrigens (Andreas, Du ahnst es schon …): Kartoffelklöße und Stollen kann man ganz einfach selbst machen 😉