Noch immer verfluche ich United Airlines und schwöre beim Ruf meiner Mutter (ja, Mama, du bist mein Einsatz und dein Ruf steht auf dem Spiel), nie, niiiieee wieder mit dieser Airline zu fliegen. Und dass ich allen Freunden und Bekannten und sowieso der ganzen Welt raten werde, United zu meiden wie der Teufel das Weihwasser.
Nicht nur, dass sich United selbst auf Transatlantikflügen erdreistet, für jedes Glas Wein oder Bier 6 Dollar und für jeden außerplanmäßigen Snack 3 Dollar kassieren. Nein, auch der Bordservice agiert auf einem Niveau, das die Bezeichnung Niveau nicht mehr verdient. Jede Flugbegleiterin lässt unmissverständlich durchblicken, dass niemand es wert sei, von ihr bedient zu werden, und dass ihr Jetset-Leben so schön sein könnte – wenn es nur uns lästige Passagiere nicht gäbe.
Wie immer hatte ich vegetarische Kost bestellt. Doch die Bestellung scheint verschütt gegangen zu sein. Hmm. Als ich eine Saftschubse, ihr Namensschild verrät, dass sie auf den Namen Celeste hört, frage, ob denn die Pasta vegetarisch sei, erhalte ich die schlagfertige Antwort, dass sie die Pasta nicht gekocht habe. Ja, klar. Mein Augenrollen interpretiert sie als Einladung, gleich noch einen draufzusetzen: Ich könne ja auch nur den Salat und das Brot essen. Meine Sitznachbarin kann mit vollem Körpereinsatz gerade noch verhindern, dass ich Celeste mit dem Plastiklöffelchen ein Horn ziehe.
Wobei, ich hätte gar nicht so richtig ausholen können. Denn die Sitzreihen sind dermaßen eng gesetzt, dass jede Bewegung eine Qual ist. Und das, obwohl ich mir für teures Geld ein Upgrade in die Economy-Plus-Klasse gegönnt habe. Schließlich haben mir Uniteds clevere Marketingstrategen suggeriert, dass selbst Jack Skellington in der Economy Plus seine Füße sehen kann.
Kurzer Reality Check
Ich frage mich, wie meine Mitreisenden in der regulären Holzklasse den Flug überstehen. Wie viele Gliedmaßen müssen wohl im Schnitt nach einem Flug mit United amputiert werden, da die Blutzirkulation über mehrere Stunden unterbrochen wurde? Oder werden die Passagiere noch vor dem Start mit dem Spock-Nackengriff sediert und erst nach der Landung wieder geweckt? Die verwirrten Blicke einiger Mitreisender könnten diese Hypothese stützen.
Mitten in der Nacht schiebt Celeste ihren Wagen durch den engen Gang. Gegen mein Knie. Klar, war ja auch im Weg. Großmütig verteilt sie Platikbecher mit Wasser und kleine Tüten mit Gratisnüssen. Voller Dankbarkeit nehme ich die Pretiosen entgegen. Ausgezehrt reiße ich die Tüte auf und kippe den Inhalt auf eine Serviette. Ich zähle elf Erdnüsse.
Das Ganze erinnert mich an eine Fernsehreportage über einen Viehtransport von Hamburg nach Anatolien. Die armen Rinder mussten eng aneinandergedrängt ohne Wasser, Futter und Pausen, dafür bei großer Hitze einen Kontinent überqueren. Am Ende steht für die Überlebenden die Schächtung. Flight attendants, please prepare for landing, dröhnt es verzerrt aus den Boxen. Ein diabolischer Schatten flackert über Celestes Gesicht.
Oh, wie fies. So krass habe ich das bislang nur bei Air France erlebt, wo ich auf einem 11-Stunden-Flug mehrmals betteln musste, um überhaupt Wasser zu bekommen. Auch da hatte ich das Gefühl allein alle Schuld für einen verpatzten Arbeitstag der Flugbegleiterin auf meinen Schultern zu tragen.
Hast Dich hoffentlich schon ein wenig von den Qualen erholen können! Dafür bist Du dem trüben Herbstwetter hier entkommen.