Neulich auf CW 44/Cable12, dem lokalen Fernsehsender der Bay Area:
Oakland +++ Oakland +++ Oakland +++ Oakland +++
Ein Mann erschießt eine Mautkassiererin der Richmond-San Rafael Bridge sowie den Fahrer eines weißen Pickup-Trucks. Der Täter flüchtet mit seinem Flughafenzubringerbus und kann so schnell identifiziert werden. Es handelt sich um einen 46-jährigen Afroamerikaner. Sein Name ist Nathan Burris.
Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sich der Täter und die Frau kannten. Ob auch der zweite Tote mit dem Täter bekannt war, ist noch unklar. Fest steht, dass er mit einer Schrotflinte durchs Wagenfenster erschossen wurde. Die Tat geschah gegen 18 Uhr. Als wir die Live-Berichterstattung sehen, ist es 22 Uhr, und der Tote liegt immer noch über das Lenkrad gebeugt.
Freemont +++ Freemont +++ Freemont +++ Freemont +++
Seit Tagen wird der fünfjährige Hasanni Campbell vermisst. Der afroamerikanische Junge ist etwa 1 Meter groß und wiegt 18 Kilogramm. Er trägt Stützschuhe, da er unter Kinderlähmung leidet. Wir sehen seine Mutter von Weinkrämpfen geschüttelt. Unter Tränen bittet Sie uns alle, für ihren Sohn zu beten. Dann erleidet Sie einen Nervenzusammenbruch. Die Kamera hält drauf.
Phoenix, Arizona +++ Phoenix, Arizona +++ Phoenix, Arizona +++
Amerikanische Bürger und Bürgerinnen protestieren gegen Präsident Obamas geplante Reformen des Gesundheitswesens. Viele tragen Schilder und Plakate, die das Konterfei des Präsidenten mit Hitlerbart zeigen. Dazu Parolen, die das Reformvorhaben als nationalsozialistisch oder kommunistisch diffamieren. Oder gleich beides in einem Atemzug (Nazi Communism). Eine Frau schreit unter Tränen: “I want MY America back!”
Einige Demonstranten tragen betont ihre Waffen zur Schau, zumeist Handfeuerwaffen. Die Verfassung der Vereinigten Staaten ermächtigt sie dazu. Den Vogel schießt ein Demonstrant in Arizona ab: Er trägt ein Sturmgewehr über der Schulter und erklärt dem verdutzen Reporter: “I am almost always armed.” Er ist der Ansicht, dass seine Generation so lange von der Regierung ausgeplündert werde, bis es nichts mehr zum Ausplündern gäbe.
Salinas +++ Salinas +++ Salinas +++ Salinas +++
Auf der Straße liegt der Leichnam eines jungen Mannes. Sanitäter bedecken ihn mit einer weißen Plane. Er ist das achte Todesopfer durch Schießereien rivalisierender Gangs in dieser Woche. Seit Jahresbeginn hat der Bandenkrieg nun 21 Tote gefordert. Erste Auskünften nach handelt es sich bei dem Opfer um einen unbeteiligten Zuschauer, den 15-jährigen Jose Perez. Er gehörte keiner Gang an und war auf dem Heimweg von seinem Footballtraining.
Als Reaktion auf die eskalierende Bandengewalt wenden sich immer mehr Einwohner Salinas der Religion zu. Sie sammeln sich in den Kirchen des Ortes, entzünden Kerzen und beten. “We were just praying constantly, constantly, constantly on the same topic … praying for peace in the community”, spricht ein Mexikaner die in die Kamera. Während in der Kirche die Kerzen brennen, fährt draußen der Leichenwagen vor.
Manchmal kann man einfach nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Wenigstens das Wetter wird sonnig schön.