Nach der Ausstellungseröffnung ging dann doch alles ganz schnell: Freunde und Familie Tschüs sagen, überflüssige Sachen über eBay oder Kajiji verticken oder bei den Eltern einlagern, noch schnell – so lange die Krankenversicherung zahlt – ein paar Arztbesuche einschieben, die Waschmaschine ausbauen, Chris’ weitere Ausstellungen vorbereiten, die Überarbeitung ihrer Website abnehmen und schon mal vorpacken.
Unsere To-Do-Liste wird nicht kürzer; was oben abgehakt wird, kommt unten an neuen Einträgen dazu. Irgend etwas ist immer noch zu erledigen, schnell kommt man vom Hundertsten ins Tausendste – und dann schmiert auch noch der Rechner ab…
Wir versuchen, uns den 13. März freizuhalten, Chris’ Geburtstag, schaffen das aber nur halb. Immerhin gehen wir abends bei unserem Lieblingsitaliener, dem “Cavallino Rosso”, fein essen. Mit allem drum und dran. Dann auf dem Rückweg noch einen Absacker im “Brel” und dann nach Hause, fertig packen und schon mal den Boarding Pass ausdrucken, damit wir am kommenden Tag ein wenig Luft haben. Mein Flug startet um 10.35 Uhr.
Trotzdem geht es am nächsten Morgen früh los: frühstücken, Koffer einladen und ab zum Flughafen Tegel. Meine letzte Fahrt mit dem Golf. Beim Check-in-Schalter streikt das Förderband, als ob es den Abschied noch herauszögern wollte. Aber dann heißt es doch Abschied nehmen für die nächsten 6 Wochen.
6 Wochen können eine lange Zeit sein, in der sich Chris um die Abwicklung der Wohnung und um ihre zwei Ausstellungen kümmern wird, während ich mich um eine Bleibe in der neuen Heimat bemühen und schon mal die Prozesse zum Erwerb der Social-Security-Nummern und der Green Card anstoßen werde. Und bei der Arbeit wird es sicher auch nicht gerade langweilig.
Zwischenstopp im London. Als frischgebackener Inhaber der Silver Card darf ich die British Airways Executive Lounge besuchen. Wunderbar komfortabel hier, Essen und Trinken satt. Das Warten auf den Anschlussflug wird zum Vergnügen. Als Sahnehäubchen gibt’s noch ein Upgrade in die Traveller-Plus-Klasse. Schlafen kann ich dennoch nicht.
In 12 Kilometern Höhe, über Grönlands ewigem Eis wird mir schlagartig klar, dass dies kein normaler Businesstrip ist. Sondern dass ich meinen Wohnsitz und meine Arbeit in Berlin wirklich aufgegeben habe, dass es erst mal keinen Rückflug gibt und dass ich Chris die nächsten 6 Wochen nicht sehen werde.
Darüber zu reden, ist eine Sache. Es dann tatsächlich in die Tat umzusetzen eine andere. Und sich dann in 12 Kilometern Höhe über dem ewigen Eis Grönlands darüber bewusst zu werden, eine noch ganz andere. Eine gewisse Unruhe macht sich breit.
Auch die Filme, die ich mir ansehe, Slumdog Millionär und Rachels Hochzeit, tragen mit ihren Thematiken nicht gerade dazu bei, meine Stimmung ins unbeschwert-fröhliche zu drehen. Eine aufkommende Panikattacke ringe ich mit zwei Twix-Riegeln nieder. Dann sehe ich mir eine “Simpsons”-Folge an.